Serbien: Affäre um Innenminister

30. Oktober 2003, 16:43
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Dusan Mihajlovic soll sein Amt missbraucht haben

Innenminister Dusan Mihajlovic sollte wegen Korruption aus der serbischen Regierung "katapultiert" werden, wetterte Exnotenbankgouverneur und Vizepräsident der Oppositionspartei "G 17", Mladjen Dinkic. Mihajlovic soll 13 Firmen besitzen, die das Innenministerium, die Polizeiakademie, die Armee und andere Institutionen versorgen.

Der Innenminister hätte schamlos sein Amt missbraucht und seinen Firmen Aufträge in Millionenhöhe verschafft, erklärte Dinkic. Mihajlovics Firmen würden sich unter anderem mit Warenex- und Import, Viehzucht, Computerausrüstung, Marketing und sogar Gastwirtschaft beschäftigen.

"Blitzableiter"

Allein die Firma "Arijus" hätte für die Installation der für das Innenministerium um dreizehn Millionen Euro gekauften Computerausrüstung und die Ausbildung der Beamten 2,5 Millionen Euro aus dem Budget kassiert, obwohl der Computerkonzern IBM diese Dienstleistungen kostenlos anbiete.

Mihajlovic wies empört alle Vorwürfe zurück. Er beschuldigte Dinkic, ihn im Auftrag der Mafia anzugreifen und bezeichnete sich selbst als einen "Blitzableiter", der zwischen dem organisierten Verbrechen und den demokratischen Kräften stehe. Der Innenminister, einst Mitläufer von Slobodan Milosevic, überstand die Säuberungen nach dem tödlichen Attentat auf Premier Zoran Djindjic. (DER STANDARD, Printausgabe, 30.10.2003)

Andrej Ivanji aus Belgrad
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