Die Säulen vieler Sammlungen

29. Oktober 2003, 19:20
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Freude beim privaten Wiener Auktionshaus "im Kinsky" - dank Gemälden des 19. und frühen 20. Jahrhunderts

4,7 Millionen Euro Umsatz erzielte die Auktion "im Kinsky". Ein durchaus erfreuliches Ergebnis zum zehnjährigen Bestand des privaten Wiener Auktionshauses. Besonders die Gemälde des 19. und frühen 20. Jahrhunderts schnitten sehr gut ab. Die große Wiener-Werkstätte/Jugendstil- Offerte folgt am 27. November.


Wien - Walde oder Schiele? So stand die Frage am Katalog der Jubiläumsauktion "im Kinsky". Die Antwort lautete: beides. Im nahezu überbordenden Auktionssaal wurden beide Paradekünstler Österreichs eifrigst beboten. Waldes Dorfstraße in Tirol bekam den Zuschlag bei 140.000 Euro (Gesamtpreis 170.800 Euro), sein Bergweiler bei 100.000 (123.200). Schieles wunderbar modernes Bild Weiblicher Torso kam - bei einem Telefonbieter - ans untere Limit, das immerhin noch 180.000 Euro betrug.

Insgesamt betrug der Umsatz der dienstäglichen, dreieinhalbstündigen Jubiläumsauktion 4,7 Millionen Euro - bei einer Meistbotsumme von 3,9 Millionen Euro. Am besten schnitten die Bilder des 19. und frühen 20. Jahrhunderts ab, mit einer Verkaufsrate von 65 Prozent. Bei den Zeitgenossen verkaufte sich, bei einer Meistbotsumme von 860.000 Euro, rund die Hälfte - hier blieben die Toplose durchwegs liegen. Vor allem die internationalen Größen wie Warhol, aber auch ein Großformat von Maria Lassnig.

Wien-Blick

Wieder einmal mehr stellte es sich heraus, dass die österreichischen Sammler, 50 plus, eher in konservativere Werte setzen, in topografische Szenen, auf denen die Welt scheinbar noch in Ordnung war. Wie etwa bei Waldmüllers Genrebild Das neugeborene Kind (190.000 €) oder dem unter Denkmalschutz gestellten Aquarell Der Graben von Rudolf von Alt (160.000 €). Der ehemalige Alt-Besitzer, in dessen Wohnung nun laut Auktionator Otto Hans Ressler eine Kopie hängt, ist seit Dienstag um etliches reicher.

Neben den Sammlern Agnes Essl, Jenö Eisenberger oder Rudolf Leopold sowie zahlreichen Wiener Händlern stritten vor allem Telefonbieter um die Objekte.

Bei Carl Molls auf 120.000 Euro geschätztem Blick auf Heiligenstadt und den Nussberg blieb Händler Alois Wienerroither bei 120.000 Euro erfolgreich. Leo Putz' Morgensonne strahlte bedeutend über das Limit hinaus, sie erreichte 135.000 Euro Meistbot. Bei Frans Hals, dessen Männerporträt unter dem Limit unter Vorbehalt zugeschlagen werden musste, trat eine überraschende Wende ein. Viel später nach dem Zuschlag entfernte sich ein Mann mit Handy aus dem Auktionssaal, den er kurz darauf wieder betrat und um nochmaligen Aufruf des Hals bat - den er dann um 150.000 Euro erstand.

Die Preise bei den Zeitgenossen bewegten sich eher am unteren Limit, große Ausnahme war etwa Max Weilers 100.000-Euro-Bild Gestalten auf gestreiftem Grund und eine riesige Öl/Kohlezeichnung Alfred Hrdlickas (44.000 €). Fritz Wotrubas Skulpturen verkauften sich ebenso wie ein Meditationsstein des dieser Tage 80 Jahre zählenden Bildhauers Karl Prantl (55.000 €). Rudolf Leopold erstand für 6000 Euro Wolfgang Herzigs Entwurf zur Konditorei, während Agnes Essl in Ergänzung zur bereits sammlungseigenen Roten Säule Siegfried Anzingers das schwarze Pendant für 22.000 Euro (Kaufpreis 26.180 €) erwarb.

Der Bereich Jugendstil, wegen der erst folgenden speziellen Einzelauktion spärlich bestückt, erzielte 220.700 Euro an Meistboten. Die Antiquitäten spielten 371.000 Euro ein (Kaufpreis 440.962 €), wobei hier ein Nürnberger "Rössler Enghalskrug" statt erwarteten 50.000 Euro für hohe 125.000 Euro unter den Hammer kam.

Nach einer relativen Durststrecke unterm Strich also erfreuliche Ergebnisse.
(DER STANDARD, Printausgabe, 30.10.2003)

Von Doris Krumpl

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imkinsky.com

  • Wie eine Modeaufnahme: Schieles "Weiblicher Torso" wurde für 180.000 Euro an einen Telefonbieter verkauft.
    foto: katalog

    Wie eine Modeaufnahme: Schieles "Weiblicher Torso" wurde für 180.000 Euro an einen Telefonbieter verkauft.

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