FP-Dissidenten treten zur Landtagswahl an

30. Oktober 2003, 16:17
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Helmut Naderers "Freie Demokraten" als fünfte Partei in Salzburg

Es ist so gut wie fix: Die FP-Dissidentengruppe "Freie Demokraten" wird als fünfte Partei um die 36 zur Vergabe stehenden Mandate bei den Salzburger Landtagswahlen 2004 antreten. Die Abspaltung bestehe "zu 100 Prozent aus Fußvolk", betont deren Chef Helmut Naderer.

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Salzburg – Von den meisten politischen Beobachtern wurde es erwartet, nun ist es beinahe amtlich: Die von der FPÖ abgespaltene Dissidentengruppe um Landtagsabgeordneten Helmut Naderer wird bei den Landtagswahlen Anfang März 2004 antreten.

Wie Naderer im STANDARD- Gespräch ankündigt, werden die "Freien Demokraten" auch bei den gleichzeitig abgehaltenen Kommunalwahlen in der Landeshauptstadt Salzburg sowie für zahlreiche weitere Gemeinderäte kandidieren. Derzeit habe man zwölf ehemalige FP-Ortsgruppen hinter sich. Darunter seien wichtige Gemeinden und ehemalige FP-Hochburgen wie Bad Gastein, Hallein oder Seekirchen. Dazu kommt, dass viele prominente Freiheitliche zuletzt aus der Partei ausgeschlossen worden sind.

Noch Abspaltungen?

Zudem haben auch die Kleinarler Blauen ihre Partei geschlossen verlassen. Naderer rechnet in den nächsten Wochen mit weiteren Abspaltungen. Nur die Lungauer Freiheitlichen halten bis dato FP-Landesparteichef Karl Schnell weitgehend die Treue.

Die für eine Kandidatur notwendigen einhundert Unterstützungserklärungen in jedem der sechs Salzburger Wahlbezirke dürften für die neue Partei kein Problem darstellen. Auch die rechtlichen Voraussetzungen für die Teilnahme bei den kommenden Wahlgängen haben die "Freien Demokraten" bereits erfüllt. Die Gruppierung sei seit dieser Woche eine anerkannte Wahlbewegung, berichtet Naderer.

Er selbst dürfte als Spitzenkandidat in den politischen Ring steigen. Nun gehen die Exfreiheitlichen daran, weitere profilierte Kandidaten zu suchen, um nicht den Eindruck zu erwecken, ihr Antreten sei nur Resultat eines persönlichen Konfliktes zwischen Naderer und Schnell.

Die Chancen, in den Landtag einzuziehen, stünden für seine "Freien Demokraten" gut, glaubt Naderer. Für ein Mandat wären rund 12.000 Stimmen notwendig. "Allein in Seekirchen haben wir eintausend Stimmen." In der Flachgauer Gemeinde ist der Gendarmeriebeamte Naderer auch Vizebürgermeister.

Dass seine Gruppe in Salzburg sang- und klanglos untergeht, wie einst das Liberale Forum, glaubt Naderer nicht: Für ihn bestand das LiF aus "abgehobenen Funktionären", seine "Freien Demokraten" hingegen wären zu "einhundert Prozent Fußvolk". Auch inhaltlich habe man mit den Liberalen wenig gemein. Die "Freien Demokraten" wollten sich vielmehr an der FP-Politik vor dem Regierungseintritt auf Bundesebene orientieren.

Mit der Kandidatur der FP- Abspaltung werden voraussichtlich fünf Gruppierungen um die 36 Landtagssitze ringen. Neben den Landtagsparteien ÖVP, SPÖ, FPÖ, Grüne nun eben auch die "Freien Demokraten". Die KPÖ tritt auf Landesebene nicht an. (Thomas Neuhold/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.10.2003)

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    Dass seine Gruppe in Salzburg sang- und klanglos untergeht, glaubt Naderer nicht

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