Kärnten: Rote Nostalgien im Lehrerverein

30. Oktober 2003, 19:15
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FP-Lehrerverbandsobmann übt Kritik an FP-Schulpolitik

Klagenfurt – "Dass die freiheitliche Politik nicht unbedingt lehrerfreundlich ist, ist ja kein Geheimnis. Aber dass ausgerechnet von unseren Politikern immer wieder Angriffe gegen Lehrer gestartet werden, ist für mich unverständlich." Nein, der Ebenthaler Berufsschullehrer Hubert Obereder nimmt sich in seinem offenen, dem STANDARD vorliegenden Brief an seine Kollegen kein Blatt vor den Mund. In Zeiten der Kritik an Lehrern nichts Außergewöhnliches.

Oder doch? Hubert Obereder nämlich ist Obmann des freiheitlichen Lehrervereins und das bitterböse Rundschreiben ist an die "blauen" Kärntner Pädagogen gerichtet. Angriffsziel – wenn auch nicht explizit genannt – dürfte Schulreferent Jörg Haider sein. Der hatte vor kurzem zum Beispiel über eine Ausweitung der Dienstzeiten für Lehrer oder die Nachmittagsbetreuung an Schulen laut nachgedacht.

Schließlich klagt der "blaue" Lehrerchef auch noch über die zunehmende "kühle Behandlung" aus dem Amt der Kärntner Landesregierung und resümiert: "Die freiheitlichen Berufsschullehrer wurden zu ,roten‘ Zeiten um einiges besser behandelt." Vor allem dieser Satz soll dem Schulreferenten Zornesröte auf die Stirn getrieben haben.

Kärntens FP-Chef Martin Strutz kennt des Rätsels Lösung: "Das ist halt jemand, der bei einer Postenvergabe schlecht weggekommen und daher verärgert ist." So seien sie eben, die Tücken der Objektivierung, "dass man hin und wieder auch die eigenen Leute vergrämen muss". Tatsächlich war FP-Mann Obereder bei der Besetzung des Landesschulinspektors für das Berufsschulwesen nicht zum Zuge gekommen.

SP-Landesschulratsvizepräsident Rudolf Altersberger hingegen schlägt vor: "Wenn Herr Obereder sich bei uns besser aufgehoben fühlt, soll er halt die Partei wechseln." Und auch ein kürzlich ergangenes Gerichtsurteil erfreut den roten Landesschulratsvize: Dürfte er doch nach einem Gerichtsurteil sanktionslos von blauer Umfärbelung und Postenschacher im Schulbereich reden; das Urteil ist nicht rechtskräftig. (Elisabeth Steiner/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.10.2003)

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