Italien will europäische Offensive gegen illegale Immigration

30. Oktober 2003, 20:40
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Innenminister Pisanu: "Menschenhändler erwirtschaften in Europa jährlich zwei Milliarden Euro"

Rom - Während die Flüchtlingswelle nach Süditalien nicht abreißt, hat der italienische Innenminister Giuseppe Pisanu am Mittwoch erneut für eine gesamteuropäische Offensive gegen die illegale Immigration plädiert. In einem Interview mit dem US-Nachrichtenmagazin "Time" betonte der Minister, dass die Menschenhändler mit Jahresumsätzen von etwa zwei Milliarden Euro rechnen könnten.

"Wenn man nach umsichtigen Schätzungen rechnet, dass jährlich eine halbe Million illegale Einwanderer nach Europa gelangen, und dass jeder von ihnen den Schiebern zirka 4.000 Euro zahlt, erreicht man leicht die Summe von zwei Milliarden Euro", betonte der Minister. Er warnte vor Verbindungen zwischen den Menschenhändler-Organisationen und dem fundamentalistischen Terror-Netzwerk Al Kaida.

"Konkrete Hinweise"

"Wir haben konkrete Hinweise auf enge Verflechtungen zwischen illegaler Immigration, Terrorismus, Waffen-, Drogen- und Menschenhandel", so der Minister. Der Menschenhandel zähle weltweit zu den florierendsten Geschäften der organisierten Kriminalität.

Der Minister, dessen Land seit 1. Juli den EU-Vorsitz inne hat, drängte auf eine Abschaffung des europäischen Embargos gegen Libyen. Das Embargo erschwere die Entwicklung der Zusammenarbeit mit Libyen und die Umsetzung der Abkommen mit Italien in puncto Bekämpfung der illegalen Immigration. Ein Großteil der Flüchtlingsboote, die in Süditalien landen, starten von den libyschen Küsten. Rom hat sich in den letzten Monaten sehr bemüht, die Zusammenarbeit mit Tripolis bei der Immigrationsbekämpfung zu intensivieren.

Erneut 600 Flüchtlinge in Lampedusa eingetroffen

Trotz schlechten Wetters und rauher See hält der Flüchtlingsstrom im südlichen Mittelmeer unvermindert an. Fast 600 Flüchtlingen erreichten am Mittwoch in sechs Booten die südlich von Sizilien gelegene Insel Lampedusa. Ein Boot mit 167 Flüchtlingen, darunter vielen Frauen und Kindern, wurde von der Küstenwache 13 Seemeilen südlich der Insel entdeckt. In internationalen Gewässern 72 Seemeilen südlich von Lampedusa nahm ein italienisches Schiff ein im Meer treibendes Boot mit vorwiegend somalischen Flüchtlingen ins Schlepptau. Mehrere Hundert Asylbewerber wurden am Abend ausgeflogen und auf mehrere Aufnahmelager in Mittel- und Süditalien verteilt. (Gerhard Mumelter/APA)

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    Der Weg nach Europa endet oft tödlich: 13 somalische Flüchtlinge waren auf einem Boot tot aufgefunden worden, die Särge wurden in Rom aufgebahrt

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