EU: Beitrittsländer wachsen weiter schnell

30. Oktober 2003, 14:24
posten

Die EU erwartet in den zehn Beitrittsländern für heuer ein Wachstum von 3,1 Prozent - Arbeitslosigkeit wird nicht sinken

Brüssel - Die zehn Länder, die am 1. Mai 2004 der EU beitreten werden, können heuer weiter mit einem Wachstum von 3,1 Prozent rechnen, heißt es in der Herbstprognose der EU-Kommission. 2004 könnte es durch das Anspringen der Konjunktur in der EU und durch die Aufnahme in die Union zu einem Anstieg auf 3,8 Prozent kommen, 2005 sogar auf 4,2 Prozent.

Der positive Gesamtwert sei aber vor allem auf die Erholung in Polen, dem mit Abstand größten Beitrittsland, zurückzuführen. Einige Beitrittsländer können nur mehr mit einem geringeren Wachstum rechnen als vor einem halben Jahr vorhergesagt. Mit Ausnahme Maltas, dessen Tourismuswirtschaft durch den Irak-Krieg schwer getroffen wurde, kommen jedoch alle Kandidatenländer auf ein Plus von mindestens zwei Prozent. Lettland und Litauen kommen auf sechs Prozent oder mehr.

Arbeitslosigkeit sinkt nicht

Das hohe Wirtschaftswachstum ist aber nicht von einem Anstieg der Beschäftigung begleitet. In Tschechien, Polen und Slowenien dürfte es heuer auf Grund der Umstrukturierung der Wirtschaft sogar zu einem Abbau von Arbeitsplätzen kommen. Dadurch wird die durchschnittliche Arbeitslosenrate der zehn Länder über 15 Prozent klettern und auch 2004 nicht darunter sinken. Zwar dominiert Polen mit über 20 Prozent Arbeitslosigkeit die Statistik, aber auch Litauen, Lettland und die Slowakei haben zweistellige Arbeitslosenraten.

Auch mit der Neuverschuldung haben die Beitrittsländer noch Probleme. Im Schnitt beträgt das Defizit 2003 und 2004 5,0 Prozent, sechs der zehn Staaten schaffen das Maastricht-Kriterium von höchstens 3,0 Prozent nicht. Die höchsten Abgänge werden in Tschechien (8,0 Prozent) und Malta erwartet, Estland hat einen ausgeglichenen Haushalt, zweitbestes Beitrittsland ist Slowenien mit einem Defizit von 2,2 Prozent, Lettland und Litauen liegen knapp unter drei Prozent.

Nur bei der Inflationsrate können die meisten Beitrittsländer derzeit mit den EU-Staaten mithalten. Nur in Slowenien (5,9 Prozent), Ungarn (6,7 Prozent) und der Slowakei (6,8 Prozent) ist die Teuerungsrate deutlich über dem EU-Schnitt.

Für die drei Kandidatenländer, die 2004 nicht der EU beitreten, sagt die Herbstprognose hohes Wachstum, hohe Inflation und hohe Arbeitslosigkeit voraus. Für Bulgarien werden heuer 4,5 Prozent Wachstum, 15,3 Prozent Arbeitslosigkeit aber ein ausgeglichener Haushalt erwartet. Die Inflation dürfte bei 2,0 Prozent liegen. In Rumänien werden 4,6 Prozent Wachstum, 6,5 Prozent Arbeitslosigkeit, 15,3 Prozent Inflation und ein Defizit von 2,7 Prozent vorhergesagt. In der Türkei sind bei 5,1 Prozent Wachstum 11,2 Prozent Arbeitslosigkeit, 26 Prozent Inflation und 8,0 Prozent Defizit zu erwarten. (APA)

Share if you care.