Kreml-Stabschef tritt wegen Chodorkowski-Inhaftierung zurück

30. Oktober 2003, 18:54
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Einer der letzten Kreml-Vertreter aus der Zeit Jelzins - mit Kommentar

Moskau - Aus Protest gegen die Inhaftierung des russischen Ölmagnaten Michail Chodorkowski ist der einflussreiche Kreml-Stabschef Alexander Woloschin nach Presseberichten zurückgetreten. Präsident Wladimir Putin habe den Rücktritt nach stundenlangen Beratungen mit Kreml-Vertretern angenommen, berichtete die Wirtschafts-Tageszeitung "Wedomosti".

Woloschin sei erzürnt darüber gewesen, dass er über Chodorkowskis bevorstehende Festnahme am Samstag nicht unterrichtet wurde. Bis ein Nachfolger gefunden ist, soll es keine offizielle Erklärung geben. Den Berichten zufolge reichte Woloschin seinen Rücktritt bereits am Samstag ein, kurz nach der Festnahme Chodorkowskis in Sibirien.

"Noch keine Entscheidung"

Das Pressebüro von Putins Amtssitz wollte die Berichte nicht kommentieren. Ein Kreml-Vertreter wurde mit den Worten zitiert, es sei noch keine Entscheidung über "personelle Veränderungen in der Kreml-Verwaltung" gefallen.

Woloschin gilt als einer der letzten Kreml-Vertreter aus der Zeit von Putins Vorgänger Boris Jelzin. Diese "die Familie" genannte Fraktion der Kreml-Verwaltung liefert sich einen Machtkampf mit den Ex-Geheimdienstlern, die Putin seit seinem Amtsantritt in seine Verwaltung einführte. Die Kreml-Fraktion um Woloschin unterstützt die russische Wirtschaft und den Jukos-Konzern von Chodorkowski, dem reichsten Mann Russlands. (APA/AFP)

Kommentar

Der Ex-KGB siegt
von Gerhard Plott

Chodorkowski war am Wochenende nach monatelangem Streit mit dem Kreml unter anderem wegen schwerwiegenden Betrugs angeklagt und verhaftet worden. Er und sein Berater sollen den russischen Staat um mehr als eine Milliarde Dollar betrogen haben.

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