Rotes Kreuz bleibt im Irak

30. Oktober 2003, 22:34
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Zahl der Mitarbeiter wird verringert - Auch "Ärzte ohne Grenzen" kündigen Personalreduzierung an

Bagdad/Washington/Genf - Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) wird seine humanitäre Arbeit im Irak fortsetzen. Das kündigte IKRK- Direktor Pierre Krähenbühl am Mittwoch in Genf an. Die Zahl der bisher rund 30 ausländischen Mitarbeiter werde jedoch verringert. Die 600 irakischen Mitarbeiter sollen besser geschützt werden. Das Rote Kreuz wolle die Besatzungsmächte nicht um Hilfe bitten, sondern die Schutzmaßnahmen allein durchführen.

Einen Tag nach dem Anschlag auf das Hauptquartier des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) in Bagdad haben mehrere Hilfsorganisationen ihre Mitarbeiterzahl im Irak reduziert. Von 15 am Dienstag von der Nachrichtenagentur AFP befragten Organisationen bereiteten zwei den Abzug ausländischer Mitarbeiter vor. Der griechische Zweig von "Ärzte ohne Grenzen" will nach eigenen Angaben nur noch einen von drei internationalen Mitarbeitern im Land lassen.

Auch der belgische Zweig der Organisation will mehrere seiner sieben ausländischen Helfer nach Hause schicken. Andere Hilfsorganisationen wie das IKRK hatten noch keine Entscheidung getroffen. Das Internationale Komitee kündigte jedoch Gespräche zwischen Vertretern des Irak-Einsatzes und der Zentrale im schweizerischen Genf an, wie der geplante Abzug von einigen Einsatzkräften umgesetzt werden kann.

"Der Anschlag gegen das IKRK zeigt, dass einige Leute die NGOs loswerden und keine Hilfe von westlichen Organisationen beim Wiederaufbau im Irak haben wollen", sagte Evi Petsangouraki von "Ärzte ohne Grenzen". Für neutrale, unabhängige Hilfsorganisationen werde es immer schwieriger, sich von den Besatzungstruppen abzugrenzen, fügte ihr Kollege Mark Joolen hinzu.

ECHO-Büro kurz vor der Schließung

ECHO, die Hilfsorganisation der europäischen Union, stuft das Risiko eines Einsatzes im Irak als sehr hoch ein, hieß es dort am Donnerstag. "Das ECHO-Büro arbeitet noch, aber ich schließe nicht aus, dass es vollständig geschlossen wird, wenn wir zu dem Schluss kommen, dass es für unser Personal nicht sicher ist", so Ruth Albuquerque, die in der Organisation für den Irak-Einsatz verantwortlich ist. "Sie gehen bereits sehr hohe Risiken ein", sagte Albuquerque über die acht ECHO-Mitarbeiter in Bagdad, von denen drei aus dem Ausland stammen. "Wir werden ins Visier genommen, weil wir eine humanitäre Organisation sind. Ich denke, (der Anschlag) auf das IKRK hat das sehr deutlich gezeigt." Wegen der schwierigen Sicherheitslage habe ihre Organisation bereits einige Projekte ausgesetzt und sei dazu übergegangen, Kräfte von Jordanien aus vorübergehend in den Irak zu schicken.

Die Bonner Hilfsorganisation "Help" will ihre fünf ausländischen Mitarbeiter nicht aus dem Irak abziehen. Die Helfer würden "so lange wie möglich" bleiben, sagte eine Sprecherin. Auch andere Organisationen wie die spanische MDM und der italienische Notdienst entschieden sich, vorerst zu bleiben. (APA/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Sprecherin des Roten Kreuzes, Nada Doumani, vor der zerstörten Zentrale der Organisation in Bagdad

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