"Sieg der Apathie" in Israel

30. Oktober 2003, 19:22
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Kommunalwahlen mit geringster Beteiligung seit Staatsgründung

Von einem "Sieg der Apathie" sprachen die israelischen Medien nach den am Dienstag abgehaltenen Kommunalwahlen - mit 41 Prozent brachten sie die niedrigste Beteiligung seit Staatsgründung. Das Ergebnis ist ein für beide Seiten befriedigendes Unentschieden.

Premier Ariel Sharon hatte befürchten müssen, dass seine Likud-Partei sowohl wegen der schlechten Sicherheits-und Wirtschaftslage als auch wegen des Bruchs mit den Religiösen einen Denkzettel bekommen würde. Die Arbeiterpartei wiederum war nach dem Debakel bei den Parlamentswahlen im Jänner schon totgesagt worden. Nun wurden aber in den meisten der wichtigen Städte die amtierenden Bürgermeister unabhängig von ihrer Couleur wiedergewählt.

Bei den Wahlen in Israels 156 Gemeinden ging es natürlich mehr um lokale Sorgen wie die Müllabfuhr und die Kindergärten als um die großen nationalen Probleme. Zudem wurde in Jerusalem und Haifa gar nicht gewählt, weil dort die betreffenden Bürgermeister schon vor fast einem Jahr abgetreten waren und ersetzt werden mussten.

In Tel Aviv, der dritten Metropole, lag die Wahlbeteiligung gar nur bei 26 Prozent. Dort wurde Bürgermeister Ron Chuldai von der Arbeiterpartei in seinem Amt bestätigt. Die Sozialdemokraten dürfen sich jetzt immerhin darüber freuen, dass vielleicht ein Trend gestoppt wurde: Seit Ariel Sharon vor vier Jahren den Likud-Vorsitz übernommen hat, waren es die ersten Wahlen, bei denen die Konservativen nicht deutlich zugelegt haben. (DER STANDARD, Printausgabe, 30.10.2003)

Von Ben Segenreich aus Tel Aviv
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