Wenn das Falschgeld direkt von der Bank kommt

30. Oktober 2003, 14:28
18 Postings

Unternehmer soll bei Barabhebung von der Bank 400 Euro Falschgeld erhalten haben - Ob er Ersatz dafür bekommt, weiß er nicht, die Überprüfung dauert Monate

Ein Unternehmer soll bei einer Barabhebung von seiner Bank 400 Euro Falschgeld erhalten haben. Ob er Ersatz dafür bekommt, weiß er nicht, die Überprüfung dauert Monate.

***

Wer sich Geld von der Bank holt, rechnet gewöhnlich auch damit, Geld zu bekommen. Und nicht einfach nur bedrucktes Papier, besser gesagt Falschgeld. Dies soll aber einem Unternehmer in Wien passiert sein, frühestens in zehn Wochen weiß er, ob er Ersatz bekommt.

Vor einer Woche besuchte Jakob B. eine Bank-Austria-Filiale in Wien. Um 10.000 Euro von seinem Konto abzuheben. Am Schalter bekam er die Summe ausgehändigt, knapp zehn Minuten später wollte er sie nach seiner Darstellung auf ein weiteres Konto bei einer nahe gelegenen Volksbank wieder einzahlen. Dort weigerte man sich: Zwei der 200-Euro-Scheine seien falsch, beschied man ihm.

Ergebnis erst in drei Monaten

Zurück in der ersten Filiale verweigerte man Ersatz, die Banknoten müssten erst von der Nationalbank überprüft werden. Ein Ergebnis sei erst in drei Monaten zu erwarten, ob Herr B. dann sein Geld erstattet bekommt, sei ungewiss.

"Es geht mir jetzt nicht um die 400 Euro, aber wenn das einem Mindestpensionisten passiert, hat er ein Monat nichts zu essen", ärgert sich der 56-Jährige. "Man sollte eigentlich verlangen, dass die Schalterangestellten jeden Geldschein überprüfen und die Seriennummern notieren, damit so was ausgeschlossen ist", meint der Unternehmer.

"Nicht mehr im Detail rekonstruierbar"

Bei der Bank-Austria-Pressestelle bedauert man, "den Fall nicht mehr im Detail rekonstruieren zu können". Es sei nicht auszuschließen, dass es sich tatsächlich um einen bedauerlichen Einzelfall handle. Wirklich erklären kann man ihn sich nicht, sind doch die Angestellten angewiesen, nur frisch von der Nationalbank geliefertes und geprüftes Geld zu verwenden.

Formaler Einspruch

Für Erich Zwettler vom Bundeskriminalamt ist die Chance, Falschgeld von der Bank zu bekommen "sehr, sehr gering". Dennoch kommt es vor, heuer spuckten Bankomaten in Vorarlberg und im Burgenland gefälschte Scheine aus. Häufiger sei es aber, dass echtes Geld für falsches gehalten wird. "Wir hatten schon einen Fall, bei dem Scheine durch die Dämpfe in einer Lackiererei so verfärbt worden sind, dass die Annahme verweigert worden ist." Laut Nationalbank sind im ersten Halbjahr 2003 insgesamt 3272 falsche Scheine aus dem Verkehr gezogen worden. Die meisten (60,8 Prozent) waren "falsche Fuffz'ger", 200-Euro-Blüten gab es 375.

Beim Verein für Konsumenteninformation rät man für den Fall der Fälle, einen formalen Einspruch bei der Bank zu machen und die Rückbuchung zu verlangen. "In den Geschäftsbedingungen der Banken ist dieses Problem nämlich nicht explizit aufgeführt", weiß VKI-Rechtsexperte Thomas Hirmke. (Michael Möseneder/DER STANDARD; Printausgabe, 29.10.2003)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.