Belinda Stronach: Autoerbin und "politischer Katalysator"

29. Oktober 2003, 22:21
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Belinda Stronach durfte nie am Wettbewerb teilnehmen, den der Magna-Konzern jedes Jahr ausschreibt: einen Aufsatz zum Thema "Wenn ich Premierminister wäre" zu verfassen. Der Sieger gewinnt ein Uni-Stipendium. Aber die 37-jährige Erbin, Konzernchefin und Präsidentin von Magna hatte das auch nicht nötig: Sie ist die erklärte und überraschende Siegerin eines Duells in der kanadischen Politik.

Die Tochter des austrokanadischen Milliardärs Frank Stronach, die privat vor allem mit Scheidungen von sich reden machte, war diesmal die Architektin einer historischen Fusion: Die Kanadierin führte die beiden bislang verfeindeten Oppositionsparteien der Rechten in Kanada zusammen. Das sei ihr Beitrag, "das Wohlergehen der Kanadier zu verbessern", erklärte die Heiratsvermittlerin dazu.

Seither ist den Kanadiern klar, dass sie fortan mit dieser Frau, die einen Konzern mit 73.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von mehr als 13 Milliarden US-Dollar leitet, zu rechnen haben - wenigstens als Blickfang in den Medien. Belinda, die vom US-Magazin Fortune zu den mächtigsten Managerinnen der Welt gezählt wird, war schon immer mit den Mächtigen vertraut. Nicht nur mit Kanadas Politikern, sondern auch mit Männern wie dem früheren US-Präsidenten Bill Clinton.

Die beiden wurden laut kanadischen Zeitungsberichten mindestens viermal zusammen gesehen, was die Gerüchteküche anheizte. "Eine Geschäftsbeziehung", erklärte ein Magna-Sprecher dazu. Während Stronach, Mutter zweier Kinder, bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung lächelnd an der Seite Clintons abgelichtet wurde, ging ihre zweite Ehe zu Ende: Die Verbindung zum norwegischen Eisschnellläufer und Medaillenträger Johann Olaf Koss hatte nur gerade drei Jahre gedauert. Ihre erste Ehe mit dem früheren Magna-CEO Donald Walker war bereits 1995 geschieden worden.

Das gibt den Skeptikern Nahrung, die der reichen Erbin, die einst das Universitätsstudium abbrach, auch im Wirtschaftsleben keine Standfestigkeit zutrauen. Denn immer noch wird ihr Vater, der 71 Jahre alte Frank Stronach, als der wirklich starke Mann bei Magna gesehen. Vor ihrer Tätigkeit als Magna-Chefin hatte Belinda Stronach vor allem als Philanthropin und mit ihrem Engagement, im Olympischen Komitee für mehr Transparenz zu sorgen, Schlagzeilen gemacht. In Medienberichten wird immer wieder gefragt, was denn die Pferdeliebhaberin und Erbin eines 600-Millionen-Dollar-Vermögens eigentlich den ganzen Tag macht.

Diese Frage ist zumindest in einem Punkt beantwortet: Sie traf sich in den vergangenen Monaten mit kanadischen Politikern und wirkte "als Katalysator". Und diese Funktion ist ja nicht so weit vom Autogewerbe entfernt. (Bernadette Calonego/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.10.2003)

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