Belinda Stronach eint Kanadas Konservative

29. Oktober 2003, 22:21
6 Postings

Magna-Chefin soll Vorsitz den neuen CPP übernehmen - mit Kopf des Tages

Die Magna-Chefin spielt eine tragende Rolle im Plan zur Vereinigung von Kanadischer Allianz und Fortschrittlichen Konservativen. Stimmen die Parteien zu, hat sie gute Chancen auf den Parteivorsitz.

***

Toronto/Washington - Die Chefin des Magna-Konzerns, Belinda Stronach, mischt zunehmend in der kanadischen Politik mit. Die Tochter des in der Steiermark geborenen Konzerngründers Frank Stronach hat laut Medienberichten bei der geplanten Einigung der kanadischen Konservativen eine wichtige Rolle gespielt. Durch mehrere Treffen mit hohen Parteifunktionären habe sie die nun grundsätzlich vereinbarte Fusion der beiden bisher rivalisierenden Rechtsparteien, der Kanadischen Allianz (Canadian Alliance) und der Fortschrittlichen Konservativen (Progressive Conservatives) eingefädelt.

Ihr politisches Engagement beim Einigungsprozess gestand die 37-jährige Managerin offen ein. Sie habe jedoch nur als "kanadische Staatsbürgerin" mit Interesse an "starken, gestaltungsfähigen Parteien" gehandelt. Dennoch gilt Belinda Stronach nun sogar als ernst zu nehmende Kandidatin für den Vorsitz der neu zu schaffenden Konservativen Kanadischen Partei (Conservative Party of Canada).

Zuvor müssen jedoch die Mitglieder beider bisheriger Gruppen in einer Abstimmung am 12. Dezember der Fusion zustimmen. Am 21. März nächsten Jahres soll dann über die Besetzung des Parteivorsitzes entschieden werden. Wenn die Fusion gelingt, werden die bisher als Konkurrenten auftretenden Gruppen gemeinsam antreten, um die Vorherrschaft der Liberalen Partei zu brechen, die zuletzt dreimal in Folge die Wahlen gewonnen hat.

Beim für 2004 erwarteten nächsten Wahlgang soll dann das bürgerliche Lager wieder die Mehrheit gewinnen und die Regierung stellen, wünschen sich zumindest die konservativen Parteistrategen. Ein Machtwechsel ist ihnen sogar den Verzicht auf die bisherige Parteiidentität wert. Beobachter schätzen die Chancen einer geeinten konservativen Partei als nicht schlecht ein.

Derzeit haben die Liberalen von den 301 Sitzen im kanadischen Unterhaus 170 Abgeordnete, die Allianz 63 und die Konservativen 15. Bei den letzten Wahlen im November 2000 errangen die beiden getrennt kandidierenden konservativen Parteien jedoch in 32 Wahlbezirken gemeinsam mehr Stimmen als die Liberalen. Rein rechnerisch hätten sie bei einer Fusion den Liberalen die absolute Mandatsmehrheit kosten können.

"Soziale" Differenzen

Doch der Coup könnte noch scheitern. Inhaltlich unterscheiden sich die beiden Parteien weniger in der Wirtschaftspolitik als in gesellschaftlichen Positionen, wo die Fortschrittlichen Konservativen etwa für die Rechte von Homosexuellen eintreten, während die Kanadische Allianz als rechtskonservativ in sozialen Fragen gilt. Bei den Fortschrittlichen werden nun auch warnende Stimmen laut, dass die größere Allianz die schwächere Gruppe einfach schlucken werde.

Und schließlich könnte der Deal auch noch an der geografischen Distanz scheitern, denn die Allianz ist stärker in den westlichen Provinzen Kanadas verankert, während die Fortschrittlichen Konservativen ihre Basis im Osten des Landes haben. (Edith Grünwald/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.10.2003)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Belinda Stronach gilt als ernst zu nehmende Kandidatin für den Vorsitz der neu zu schaffenden Conservative Party of Canada

Share if you care.