Interview: Austria-Vize Andreas Rudas

31. Oktober 2003, 11:31
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Der Magna-Kommunikator will die Violetten populär machen, schließlich liebt er den Verein, seit er ein Kind war. Dazu müsse man freilich mit der Tradition brechen

STANDARD: Herr Rudas, Austrias Goalie Joey Didulica bezeichnete die ihn nicht gerade verehrenden Austria-Fans als "Schande". Darf er das?
Rudas: Nein, er muss sich von diesen Aussagen distanzieren. Aber ich verstehe ihn, ihm wurde von Manager Svetits mehr versprochen, als gehalten wurde. Er ist frustriert. Andererseits sind die Austria-Fans was ganz Besonderes, emotioneller als sogar die Rapid-Anhänger. Ihnen wird besonders viel abverlangt.

STANDARD: Gehen Austrias Manager mit Frank Stronachs Geld zu freigiebig um?
Rudas: Magna funktioniert so gut, weil die Firmenmanager allein verantwortlich sind. Bei der Austria sind das der Sportmanager Günther Kronsteiner und der Wirtschaftsmanager Markus Kraetschmer. Ich würde mich nie dreinmischen. Andererseits ist es schon selten, dass ein Trainer und ein Sportmanager sich wirklich verstehen, aber das System ist ja ein übliches.

STANDARD: Können Sie ausschließen, dass was dran ist am Korruptionsgemunkel?
Rudas: Bei der Magna gibt es kein Schwarzgeld, wir werden von kanadischen Controllern durchleuchtet. Wenn Geld abgezweigt wird, dann auf der Managerebene, aber es ist nichts zu beweisen.

STANDARD: Skender Fanis Medien-Ruf ist glänzender als seine Geschichte, beispielsweise als Rapids Vize. Wählt Stronach seine Berater klug?
Rudas: Stronach redet mit vielen Sachkundigen, weil er lernen will, er hat viel Geld und nützt die Chance, dadurch schnell viel zu erfahren, auch im Fußball. Aber seine Entscheidungen trifft er alleine. Sollte er auch nur das Gefühl haben, andere entscheiden mit, reagiert er sehr empfindlich. Er lässt sich nichts dreinreden. Wenn jemand was anderes behauptet, wäre ich extrem skeptisch.

STANDARD: Ist Stronach Ihr bisher größtes Marketingproblem?
Rudas: Er verweigert jedes Selbstmarketing, er entzieht sich völlig jedem Image-Building-Prozess, er sagt, er tut alles so, wie er will. Basta.

STANDARD: Wieso interessiert die Austria kaum einen Menschen? Wie kann das besser werden? Leidet die Austria auch unter Stronachs Ruf als Machtmensch mit der goldenen Regel?
Rudas: Wir brauchen ein neues Stadion, selbst wenn viele zu uns kommen wollten, es ist fast unmöglich, besonders für Familien. Wir brauchen originäre Leitfiguren, wie Rapid mit Ivanschitz, da hoffe ich auf die Akademie. Und drittens müssen wir dauerhaft gute Leistungen bringen. Die alten Austrianer brauchen sich gar nicht mokieren. Mein erstes Match als Ballbub vor vielen Jahren verlor die große Austria mit Nemec, Papproth, Stotz 0:1 gegen den Nobody WAC. Daheim. Torbergs Wort vom Austrianer, der zum Leiden geboren ist, darf keine Gültigkeit mehr haben. Wir müssen mit der Tradition brechen. Zu Stronach: Sein Einstieg in den Fußball war die Akademie, die Austria nahm er dazu, weil er ein Aushängeschild braucht. Und die Arbeitsverfassung von Magna sorgt dafür, dass diese goldene Regel eben nie eintritt, er wird hier missverstanden.

STANDARD: Wer gewinnt das Derby morgen?
Rudas: Rapid ist haushoher Favorit, hat eine eingespielte Mannschaft, einen selbstbewussten Trainer und energische Leistungsträger. Aber wir werden uns wehren.

(Mit Andreas Rudas sprach Johann Skocek, DER STANDARD PRINTAUSGABE 29.10 2003)

ZUR PERSON

Andreas Rudas (49) war Pressesprecher von Innenminister Blecha, Leiter der ORF-Öffentlichkeitsarbeit und SP-Bundesgeschäftsführer (Spin Doctor). Seit März 2000 ist er "Vice President for Special Projects" bei Magna.

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