Kosovo: Warenboykott gegen Slowenien

29. Oktober 2003, 15:26
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Albanische Bürger Kosovo bekunden ihre Wut über vorläufige Festnahme des Kommandanten des Kosovo-Schutzkorps

Belgrad/Pristina - Slowenien ist seit einigen Tagen mit einem unangenehmen Warenboykott konfrontiert. Albanische Bürger im Kosovo bekunden nämlich ihre Wut über die vorläufige Festnahme des Kommandanten des Kosovo-Schutzkorps, Agim Ceku, vergangenen Donnerstag in Slowenien durch einen Warenboykott. Der Aufruf dazu kam von einer Gruppe von 56 kosovarischen Geschäftsleuten.

Nach Angaben der Belgrader Tageszeitung "Blic" dürfte allerdings die Führung der ehemaligen albanischen "Befreiungsarmee des Kosovo" (UCK) den Befehl zum Warenboykott erteilt haben. Einer der Kommandanten der im Herbst 1999 aufgelösten Rebellengruppen war auch Ceku.

Vorwurf: Slowenien begünstigt

Mit der Festnahme Cekus hätten die slowenischen Behörden zur Kenntnis gebracht, dass sie ihre Kontakte zum Kosovo nur wegen Gewinn bringender Geschäfte gepflegt hätten, wurde der Berater im Handelsministerium des Kosovo, Milazim Luja, von "Blic" am Dienstag zitiert. Luja warf Slowenien auch vor, in den letzten vier Jahren in die Gunst eines Großteil der internationalen Spenden an das Kosovo gekommen zu sein.

Slowenische Hersteller im Kosovo

Tatsächlich sind slowenische Warenproduzenten im Kosovo seit Ende des Krieges im Juni 1999 präsent. Der Waschmaschinen-Produzent "Gorenje" errichtete Betriebe in Pristina und Pec. Die slowenische Supermarktkette "Mercator", die in Pristina ein Geschäftszentrum mit 10.000 Quadratmeter Nutzfläche errichten will, musste wegen des Warenboykottes diese Tage die Bauarbeiten einstellen.

Supermarkt ohne slowenische Waren

Im größten Supermarket von Pristina, "Albi kom", ist seit Ende letzter Woche slowenische Ware nicht mehr zu finden, berichtet die Tageszeitung. In den späten achtziger Jahren war Slowenien auch in Serbien mit einem Warenboykott konfrontiert. Den Anlass lieferte damals ein Streik albanischer Minenarbeiter in Trepca unweit von Kosovoska Mitrovica, der von der slowenischen Führung unterstützt worden war. Mit dem Segen des damaligen serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic hatten Geschäftsleute ebenfalls zum Boykott slowenischer Ware aufgefordert. (APA)

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    montage: derstandard.at/foto: photodisc
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