Nennen wir sie "Compute"

29. Oktober 2003, 07:00
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Die geschichtlichen Wurzeln des Computers haben weibliche Anteile - Die erste Programmiererin war eine Frau

Entgegen dem Vorurteil, das lange Zeit und auch heute noch vorherrscht/e, Technik im Allgemeinen und jene des Computers im Besonderen sei eine "männliche" Erfindung, ist dies nur die halbe Wahrheit. Insoferne könnte der Computer genausogut "die Compute" genannt werden, wie es beispielsweise die bekannte Vertreterin der feministischen Linguistik, Luise Pusch, tut, wenn auch aus rein frauensprachlichen Motiven.

Dies erschein weit weniger absurd, wenn bedacht wird, dass Computing eine weibliche Geschichte hat. Denn im 17. Jahrhundert stand Computer nicht für eine Maschine, sondern war eine Berufsbezeichnung für Menschen, die komplexe und komplizierte Berechnungen auszuführen hatten.

Entwicklung im 19. Jahrhundert

Während die Entwicklung der Hardware für die ersten Rechner zum überwiegenden Teil auf das Konto von Männern geht, existieren in allen anderen Konzeptionsbereichen auch sehr viele Frauen. Im 20. Jahrhundert wurden durch den mit dem Fortschreiten des Zweiten Weltkrieges sich mehrenden Männermangel Frauen für die Berechnung von Zieltabellen für Bomberflieger eingesetzt. Diese Mathematikerinnen waren quasi Vorläuferinnen der Compute/r. Besonders die Entwicklung der Software war von Frauen mitbestimmt. Die bekanntste Software-Entwicklerin der ersten Stunde war Ada Byron Lovelace (1815 - 1852). Nach ihr wurde die Programmiersprache ADA benannt.

Sie lebte zu einer Zeit, in der Frauen der Zugang zu den Universitäten noch verschlossen war. Umso bemerkenswerter erscheint ihre mathematische Ausbildung, die sie - angeregt durch ihre Mutter - im Selbststudium erwarb. 1833 traf sie auf den englischen Mathematiker Charles Babbage, der die "analytical engine" entworfen hatte. Dabei handelte es sich um eine mechanische Rechenmaschine, die mit einem Satz von Grundoperationen und Lochkarten programmiert werden konnte: der Vorläufer des/der Compute/rs.

Der Maschine Leben eingehaucht

Ada Lovelaces genialer Beitrag besteht darin, dass sie Anwendungen für diese Rechenmaschine entwickelt hat, die über das Lösen von einfachen Rechenaufgaben hinausgingen. D. h. sie war die Erste, die auf die Idee gekommen ist, dass der/die Compute/r, den/die sich Babbage lediglich auf dem Papier ausgedacht hatte, auch dazu benutzt werden könnte, Musik zu machen, Webarbeiten und Muster zu entwerfen, die Maschine sozusagen menschlich verwendbar zu machen.

Programmiersprache ADA erst 1979

Ihren wirklichen Durchbruch feierte Ada jedoch erst, als sie 1843 einen Artikel des italienischen Mathematikers Menabrea übersetzte, den dieser nach einem Vortrag von Babbage geschrieben hatte. Sie versah den Artikel mit eigenen Notizen, die dreimal so lang wurden wie das ursprüngliche Werk. Darin beschrieb sie Befehlsfolgen für die "analytical maschine": Subroutinen, Schleifen und bedingte Sprünge von einem Befehl zum nächsten. Das ist der eigentliche Grund, dass Ada Lovelace heute als "erste Programmierin der Welt" betrachtet wird. Aufgrund fehlender Geldmittel wurde Babbage's Rechenmaschine nie gebaut und Adas Programmiersprache geriet in Vergessenheit. Erst mehr als hundert Jahre nach ihrem Tod wurden ihr ungeahnte Ehren zuteil: Eine bis dato unter "Green Language" bekannte Programmiersprache wurde 1979 ADA genannt. (dabu)

  • Erste Programmiererin der Welt: Ada Lovelace
    foto: dabu
    Erste Programmiererin der Welt: Ada Lovelace
  • Der Anteil der Frauen an der Computer-Entwicklung wird zumeist geleugnet.
    foto: photodisc
    Der Anteil der Frauen an der Computer-Entwicklung wird zumeist geleugnet.
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