Schräg und schrill sollte es sein

19. Jänner 2000, 17:52

Pariser Haute Couture 2000

ANSICHTSSACHEN
Seredin and Vasiliev. Foto: APA
Erstmals gab es Auftritte russischer Designer. Das Modell trägt eine Kreation von Seredin und Vasiliev.

John Galliano für Christian Dior

Karl Lagerfeld für Chanel

Yves Saint Laurent

Lapidus

Philip Treacy

Christian Lacroix

Fred Sathal

Alexender McQueen/Givenchy

Jean-Paul Gaultier

Jean-Louis Scherrer

Emmanuel Ungaro

Versace

Valentino

Hemant und Gast-Designer

Cobi Wong, Doris Lee...
Hong Kong Fashion Week Fall/Winter 2000


Was trägt er?
Die Mailänder Männermodeschauen

Paris - Wer im Frühjahr/Sommer 2000 Haute-Couture kaufen möchte, muss einen Hang zum Schrägen haben. Denn was in den fünf Pariser Showtagen über den Laufsteg ging, ignorierte fast völlig die Regeln von Symmetrie oder geordneten Nahtlagen. Patchwork war schick - Kleider, die fast wie vom Leib gerissen wirken. Die Säume liefen schief, das Kleid hatte nur einen Arm, Einsätze links wurden kontrastiert von Aussparungen rechts.

Gallianos Clochards

John Galliano, der englische Chefkreative bei Christian Dior, bekannte in diesen Tagen, dass ihm schon ein wenig mulmig gewesen war, als er mit seinen abstrusen Idee ins Atelier kam. In der Tat muss es ein Spaß gewesen sein, die edlen Stoffe so herzurichten, bis sie Gallianos Clochards tragen konnten. Stephane Rolland seinerseits schockte bei Jean Louis Scherrer mit gelackten Easy-Rider-Amazonen. An knalligen Leuchtfarben kam, von Chanel über Jean-Paul Gaultier bis Emanuel Ungaro, niemand vorbei.

Lacroix: Rausch an Muster, Form und Farbe

Auch Christian Lacroix stellte am Dienstagabend eine überdrehte Kollektion vor, einen Rausch an Muster, Form und Farbe. Doch der 48-jährige Franzose, mit eigener Couture-Linie seit 1987 beim Luxusgiganten LVMH beschäftigt, ist ein gnadenloser Verfechter anatomischer Höchstkenntnisse. Reduziert man die Kleider seiner neuen Kollektion auf die Silhouette, bleibt oft ein schlichtes, schmales, langes Kleid. Darauf liegen rasante Experimente: von Graffiti-Mustern über exzessive Grafiken, angesetzte Rückenschleppen bis zu fransigen Kordeln und haariger Optik.

Wasserfallkragen und Schulterschärpe

Hanae Mori, die Japanerin unter den französischen Couturiers, gehört zu denen, die mit weniger Aufsehen ans Werk gehen, weil sie mit ihren Kundinnen gereift sind. Mori macht immerhin bereits seit 23 Jahren Haute Couture. Sie startete mit einer Parade Hosenanzüge in ihre Kollektion. Aus Seiden-Krepp geschneidert, leuchtend in der Farbe - Fuchsia, Orange, Königsblau, Zinnoberrot - lösen sie das klassische Revers auf. An seine Stelle treten ein Wasserfallkragen, ein Volant-Akzent und eine drapierte, asymmetrisch verlaufende Schulterschärpe.

Bei Yves Saint Laurent hat die Zukunft begonnen. Nach dem Verkauf an Gucci im vergangenen Jahr übernimmt nun Guccis Kreativ-Direktor Tom Ford die gleiche Funktion bei allen Produktlinien des französischen Imperiums. "Ich bin sehr aufgeregt, stolz und glücklich. Yves Saint Laurent ist eines der größten Modehäuser der Welt", verkündete Ford, der beim Defilee Saint Laurents am Mittwoch in der ersten Reihe saß.

Bommel- und Goldtalerdetails in viel Tüll und Musselin

Der Meister selbst, der natürlich auch weiterhin die Haute-Couture-Linie entwerfen wird, holte sich diese Saison das Safari-Thema aus dem Archiv seiner reichhaltigen Erfindungen. Damit gestaltete er fast den gesamten Tagesbereich, mit gegurteten Jacken, die aufgesetzte Taschen haben, knielangen Röcken und weiten Hosen. Der Abend findet in Schwarz statt, in bestickter Spitze mit Rüschensäumen, mit Bommel-und Goldtalerdetails, in viel Tüll und Musselin.

Nur vereinzelt dreht McQueen auf ...

Einst waren seine Entwürfe schockierend, jetzt präsentierte er sein Haus mit einer klassischen Couture-Show, und zwar mit Hosenanzug und Kostüm. Nur vereinzelt dreht McQueen auf und zeigt etwa ein Korsett aus Sterling-Silber und kombiniert es mit einer schwarzen Seiden-Musselin-Hose.

Metall

Dazwischen spielt McQueen die Show gekonnt runter, bestickt einen Anzug aus Wollkrepp mit antiken Perlen und kombiniert eine Seiden-Tüll-Tunika dazu. Sehr viel Grau zeigte die Kollektion, Farbe gab es nur am Rande. Die Modelle von Lecoanet Hemant trugen reichlich Schmuck, der sowohl als Accessoire verwendet, aber auch in die Kleidung integriert wurde - zum Beispiel als Träger. Dieses Wechselspiel Metall-Stoff zieht sich durch die Kollektion. (APA/dpa)

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