Griechenland: Rassismus-Debatte am Staatsfeiertag

29. Oktober 2003, 15:26
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Auslöser der Kontroverse waren fremdenfeindliche Proteste gegen albanischen Schüler, der als Klassenbester Staatsfahne tragen sollte

Athen - Eine andauernde Rassismus-Debatte hat am Dienstag den Nationalfeiertag in Griechenland überschattet. Sie hat sich an einem albanischen Schüler entzündet, der an diesem Tag als Klassenbester eigentlich die griechische Staatsfahne tragen sollte, dann aber freiwillig auf diese Ehre verzichtete. Ein Präfekt eines Verwaltungsbezirks von der oppositionellen konservativen "Nea Dimokratia" (ND) warf Staatspräsident Konstantinos Stephanopoulos "Ideenverrat" vor, weil er gesagt hatte, Grieche sei jeder, "der unsere Kultur mit uns teilt." Die regierende Sozialistische PASOK-Partei hielt der ND daraufhin vor, "faschistischen Elementen ein politisches Dach zu geben".

"Nationaler Rassismus"

Eltern von Mitschülern des 17-jährigen Albaners hatten das Gymnasium in einer Vorstadt von Saloniki in der vergangenen Woche besetzt und gefordert, dass der ausländische Schüler nicht als Fahnenträger auftritt. Um weiteren Ärger zu vermeiden, habe er auf das Tragen der Fahne verzichtet, sagte der Albaner im Fernsehen. Hinter den Protesten verberge sich ein "nationaler Rassismus".

"Ochi-Tag"

Mit dem "Ochi-Tag" ("Nein-Tag") gedenkt Griechenland des zurückgeschlagenen italienischen Überfalls vor 63 Jahren. Am 28. Oktober 1940 hatte Griechenland unter dem Diktator Marschall Ioannis Metaxas mit einem "ochi" dem Kapitulations-Ultimatum Mussolinis eine Absage erteilt. Zehntausende Reservisten und Freiwillige hatten damals die vom besetzten Albanien aus eindringenden Italiener in schweren Kämpfen zurückgeschlagen. Die Widerstandsaktionen wurden fortgesetzt, als 1941 nazideutsche Truppen einfielen und das Land bis kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges besetzt hielten.

Stephanopoulos enthüllte am Dienstag ein Mahnmal für die ermordeten Juden von Saloniki. (APA/dpa/ANA)

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