Dunkel draußen, dunkel im Gemüt

27. Jänner 2004, 18:44
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Die "saisonal abhängige Depression" trägt das passende Kürzel SAD - Serotoninmangel als Ursache

Hamburg - Alle Jahre wieder schlägt die dunkle Jahreszeit vielen Menschen aufs Gemüt. Immer müde, grundlos traurig, schlechte Stimmung - das sind die typischen Symptome der saisonal abhängigen Depression (SAD), die von den Betroffenen oft gar nicht selbst erkannt wird. "Meist bemerkt das Umfeld die Veränderung der Betroffenen zuerst", erklärt der Psychologe David Althaus. Ihre Ursache hat die Winterdepression oft in biologischen Vorgängen. Frische Luft und Geselligkeit können dabei helfen, die schlechte Stimmung zu verjagen.

Nicht jede Verstimmung muss gleich eine Winterdepression sein. "Aber nehmen die Stimmungsschwankungen nach zwei Wochen nicht ab, empfehle ich zur Sicherheit einen Arztbesuch", rät Psychologe Althaus. Treffen kann es jeden. "Gerade bei der Winterdepression kann man nicht sagen, es betrifft nur starke oder schwache Persönlichkeiten. Sie hat oft auch biologische Ursachen", erklärte Althaus. Dem Körper fehle es im Winter an Sonnenlicht. Er produziere jetzt weniger vom chemischen Botenstoff Serotonin, der für unser Wohlbefinden zuständig sei. Stattdessen schütte er vermehrt das nur nachts produzierte Hormon Melatonin aus. Beides zusammen führe zu schlechter Laune, Müdigkeit und Heißhunger auf Süßes.

Leider können wir den Winter nicht verschlafen

"Die Veränderung des Melatoninspiegels ist ein uralter Mechanismus des Körpers. Er ist auch für den Winterschlaf in der Tierwelt zuständig", erklärte Althaus. Man könne sich nicht vorbeugend schützen oder sich mental auf die Depression vorbereiten. "Man kann aus der ersten Erfahrung mit einer Depression nicht immer lernen", erklärt der Psychologe. Eine Depression greife die Einheit Mensch an und beeinträchtige sie. "Damit kann der Mensch nicht umgehen, und die Mehrheit braucht dann professionelle Hilfe."

Doch obwohl im Herbst und Winter die Zahl der Depressiven steigt, sinkt die Selbstmordrate im Vergleich zum Frühjahr. "Hypothesen besagen, dass Depressive im Frühjahr feststellen, dass alle Menschen um sie herum aufleben, nur sie eben nicht. Sie bekommen das Gefühl, es nicht zu schaffen", erklärt Althaus. Es gebe sogar Patienten, die sagten: Heute ist richtig schlechtes Wetter, da geht es mir richtig gut. "Für sie passt das Wetter eben zur Stimmung."

Lichtzufuhr und Bewegung helfen

Dennoch kann man etwas gegen die winterlichen Depressionen tun. Frische Luft, Bewegung und Geselligkeit begünstigen die Ausschüttung von Endorphinen - den körpereigenen "Glückshormonen"- und helfen damit, die Stimmung zu verbessern. "Wichtig ist es, dem Körper viel Licht zuzuführen", sagt der Psychologe. Hilfe biete dabei beispielsweise eine Therapie mit weißem Licht in den frühen Morgen- und Abendstunden. Auch gebe es Behandlungsmöglichkeiten durch Schlafentzug oder beruhigendes Johanniskraut. In schweren Fällen sei auch die Behandlung mit stimmungsaufhellenden Antidepressiva sinnvoll. "Mit einer guten Strategie stehen die Chancen gut, positiv mit der Depression umgehen zu können", erklärt Althaus. (APA/AP)

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    foto: photodisc
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