Deutschland: Geschäftsklima bessert sich

30. Oktober 2003, 14:20
1 Posting

Ifo-Index überraschend stark gestiegen - Industrie als Zugpferd - Einzelhandel wartet ab - Warnung vor zu frühem Jubel

München - Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Oktober überraschend stark verbessert. Der ifo-Geschäftsklimaindex sprang in den alten Ländern von 92,0 auf 94,2 Punkte. Wie das Münchner Wirtschaftsforschungsinstitut am Dienstag mitteilte, schätzten die befragten Unternehmen nicht nur ihre Zukunftsaussichten, sondern erstmals wieder auch ihre aktuelle Geschäftslage viel günstiger ein. "Es sieht so aus, als ob wir doch auf breiter Front eine Verbesserung sehen", sagte ifo-Konjunkturexperte Gernot Nerb. Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Michael Rogowski, warnte indes vor zu frühem Jubel.

Industrie als Zugpferd

Vor allem in der Industrie und den industrienahen Branchen habe sich das Geschäftsklima verbessert. "Es sieht so aus, als ob aufgeschobene Investitionen in Angriff genommen werden", erklärte Nerb und verwies auf den Aufwärtstrend bei Chemie, Maschinen- und Fahrzeugbau. "Das Exportgeschäft scheint recht gut zu laufen. Das ist eine deutliche Stütze."

Im Einzelhandel und im Baugewerbe kam es dagegen zu einem leichten Rückgang. "Wenn ganz sicher ist, dass die Steuerreform vorgezogen wird, wird das auf den Einzelhandel ausstrahlen. Dort gibt es aber noch gewisse Zweifel, die Erwartungen sind verhalten", sagte Nerb.

Höchster Stand seit über zwei Jahren

Der Geschäftsklimaindex stieg bereits zum sechsten Mal in Folge und erreichte damit den höchsten Stand seit zweieinhalb Jahren. Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn sah die jüngste Gemeinschaftsprognose der Wirtschaftsweisen bestätigt, "wonach ab dem vierten Quartal 2003 eine leichte konjunkturelle Belebung zu erwarten ist".

Der Teilindex für die aktuelle Geschäftslage der westdeutschen Unternehmen legte von 79,2 auf 81,1 Punkte zu. Noch optimistischer beurteilten die befragten Unternehmen ihre Aussichten im nächsten halben Jahr, dieser Teilindex stieg von 105,2 auf 107,9 Punkte.

Konsum im Blickpunkt

Ein ähnlicher Anstieg sei zuletzt Aufschwung 1999 zu beobachten gewesen, sagte Sinn. Allerdings sei damals die Lage durchgängig viel besser beurteilt worden. Nerb sagte, die Belebung könnte beflügelt werden, wenn sich die Weltwirtschaft positiv entwickle und zugleich Inlandsnachfrage und Konsum stärker anzögen.

Auch in den neuen Ländern stieg der Geschäftsklimaindex leicht von 104,0 auf 104,7 Punkte. Allerdings wurde nur die aktuelle Lage besser beurteilt, dieser Teilindex kletterte von 122,8 auf 124,8 Punkte. Die Erwartungen dagegen sanken leicht von 86,3 auf 86,1 Punkte. Auf dem Bau zeigte der Trend in Ostdeutschland nach oben, in der Industrie blieb der Index unverändert.

Umfrage unter 7.000 Unternehmen

Der Geschäftsklimaindex wird monatlich bei einer Umfrage unter 7.000 Unternehmen ermittelt.

Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Michael Rogowski, warnte indes vor zu frühem Jubel. Noch sei "die Diskrepanz zwischen steigender Zuversicht und Realität groß", sagte er am Dienstag in Berlin. Der BDI-Chef verwies auf Signale, die Optimismus rechtfertigten, aber auch auf Hinweise, die allen Hoffnungen einen Strich durch die Rechnung machen könnten. Die Unternehmen hielten sich nach wie vor mit Investitionen zurück. Der private Konsum werde sich nur allmählich erholen. Eine klare Trendwende am Arbeitsmarkt sei nicht vor Ende 2004 in Sicht. (APA/AP)

Share if you care.