Mit der Transsib

1. Juli 2005, 13:35
11 Postings

Der Traum jedes Eisenbahnfreundes - eine Fahrt auf der längsten Bahnstrecke der Welt

Eisenbahnfreunde in aller Welt träumen davon, einmal die Transsibirische Bahn, die längste Bahnstrecke der Welt abzufahren. Die Distanzen sind enorm, von Moskau nach Wladiwostok 9.288 km. Am bequemsten ist eine Fahrt mit den sogenannten Sonderzügen, beispielsweise dem "Zarengold" Dieser Zug diente einst dem früheren sowjetischen Staats- und Parteichef Leonid Breschnjew und anderen Angehörigen der Nomenklatura für Fahrten durch das Land. Auch Präsident Putin soll mit ihm gereist sein. Jetzt benützen den Zug Reisegruppen aus dem Westen für Fahrten durch Sibirien.

Die Fernzüge der Transsib verlassen Moskau auf dem Jaroslawler und dem nahe gelegenen Kasaner Bahnhof. Nur wer für den betreffenden Waggon eine Reservierung hat, darf einsteigen. Jeder Abteil hat eine auf den Fahrkarten vermerkte Nummerierung, auch die Bettplätze sind vermerkt.

In Sonderzügen wie dem "Zarengold" erwarten die Reisenden beim Betreten der Abteile Vasen mit Blumen auf dem Tischchen vor dem Fenster sowie Süßigkeiten oder Knabbergebäck. Abends, während man als Passagier im Speisewagen weilt, richtet der Schaffner die Betten her, morgens, während des Frühstücks, räumt er die im Durchschnitt alle drei Tage ausgetauschte Bettwäsche weg. Der/die in einem eigenen Abteil jedes Waggons "residierende" Schaffner(in) sorgt auf Wunsch für regelmäßigen Nachschub von Tee oder Kaffee, das nötige Heißwasser liefert ein im Waggon montierter Samowar. Mitgenommene alkoholische Getränke sieht man nicht gerne. Die Waggontoiletten werden während der Stopps gesperrt, was oft zu peinlichen Situationen führen kann. In Waggons gehobenerer Klasse teilen sich jeweils zwei Abteile einen Wasch- und Duschraum.

Die Speisewagen sind oft künstlerisch ausgestaltet, dabei steigen Erinnerungen an die Belle Epoque auf. Für die Reisenden aller Waggons gibt es genau festgelegte Zeiten für die Mahlzeiten in den Speisewagen, hinterher werden Wodka (ohne den, wie es heißt, man in Russland nicht leben kann), Bier (das in Russland nicht als alkoholisches Getränk gilt) aber auch tatsächlich alkoholfreie Getränke angeboten.

Beim Blick aus dem Fenster erscheinen die unendlichen Weiten Russlands und Sibiriens. Das Ural-Gebirge präsentiert sich allen drei Teilstrecken der Transsib als eine mit Nadelwäldern bedeckte Hügellandschaft. Denn der mittlere Teil des Gebirges, den der Zug passiert, ist der niedrigste, die höchsten, knapp 2000 m hohen Gipfel liegen weiter nördlich bzw. südlich. Nach dem man den Gebirgszug hinter sich gelassen hat, folgt die große Westsibirische Steppe über Nowosibirsk bis Krasnojarsk.

Dann geht es durch das Mittelsibirische Bergland mit seinen bewaldeten Hügeln, gefolgt vom schönsten Teil der Transsib: fast einen Tag entlang des Südufers des Baikalsees. Im Ostsibirischen Bergland herrschen von Birken und Birkenhainen durchsetzte Nadelwälder vor. Dazwischen liegen immer wieder Dörfer, deren Holzhäuser oft schöne Schnitzereien an den Fenstern aufweisen. Den Pioniercharakter haben die meisten Dörfer noch nicht verloren. (apa/red)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Am Bahnhof von Nowosibirsk

Share if you care.