Brasilien: Sozialistische Internationale will "gerechtere Globalisierung"

28. Oktober 2003, 18:37
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Prominente Kongreßteilnehmer von Gorbatschow über D'Alema bis Mbeki

Sao Paulo - Das Streben nach einer "gerechteren Globalisierung" steht im Mittelpunkt eines dreitägigen Kongresses der Sozialistischen Internationale (SI), der am Montag in Sao Paulo begann. "Eine bessere Welt ist möglich", meinte Brasiliens Staatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva bei seiner Eröffnungsrede in der brasilianischen Wirtschaftsmetropole. "Der einzige Krieg, den wir führen sollten, ist der gegen Hunger und Ungleichheit." "Dieser Krieg ist es wert, ihn zu führen." Die Länder müssten Handelshemmnisse wie Agrarsubventionen abbauen, sagte Lula.

Der Ex-Gewerkschafter, der das größte Land Lateinamerikas als erster Arbeitervertreter überhaupt seit Jahresanfang regiert, rief die Parteien des linken und linksorientierten Spektrums zu mehr Einheit über die Landes- und Ideologie-Grenzen hinweg auf. "Wir können siegen, wenn wir die kleinen Unterschiede bei Seite lassen", meinte Lula. Die großen Probleme der Menschheit müssten gemeinsam angegangen werden. Dazu gehörten neben der Ungerechtigkeit auch zum Beispiel Terrorismus und Kriminalität.

Die 1889 gegründete SI vereinigt rund 150 sozialdemokratische, sozialistische und Arbeiter-Parteien aus der ganzen Welt. Unter den Teilnehmern sind in Sao Paulo unter anderem Südafrikas Staatspräsident Thebo Mbeki und Spaniens früherer Staatschef Felipe Gonzalez, ferner der frühere sowjetische Staatspräsident Michail Gorbatschow, Italiens Ex Ministerpräsident Massimo D'Alema, der serbische Ministerpräsident Zoran Zivkovic und sein polnischer Amtskollege Leszek Miller.

Der SI-Präsident, der frühere portugiesische Ministerpräsident Antonio Guterres, sagte, man wolle auch über eine Ausweitung von Lulas Hungerbekämpfungsprogramm "Fome Zero" (Null Hunger) sowie über Reformen der Vereinten Nationen und des internationalen Finanzsystems sprechen. "Die Sozialistische Internationale wird von Lula stimuliert", meinte der SI-Generalsekretär Luis Ayala aus Chile. Lulas sozialistische "Partei der Arbeiter" (PT) nimmt am Treffen allerdings nur als Beobachter teil. Erst nach Wahlen im kommenden Jahr will die PT über einen Beitritt zur SI entscheiden. (APA/dpa/AP)

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