Volksoper: Doppelpack der Hoffnungslosigkeit - Sportstück: Xavier Le Roy gastiert im Tanzquartier

27. Oktober 2003, 18:51
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In Zeiten, in denen die Nacht täglich ein Stück mehr vom Tag wegschwärzt, kann man wachen, lesen, lange E-Mails schreiben oder in die Volksoper gehen. Dort bietet die neue Direktion Rudolf Bergers ein jahreszeitadäquates Doppelpack der Hoffnungslosigkeit: Arnold Schönbergs Monodram Erwartung, gefolgt von Luigi Dallapiccolas Einakter Il Prigionero. Den Dallapiccola (mit Bach-Ummantelung) gab's schon im März, nun wurde der von der Kritik ziemlich einhellig gelobten Mentha-Produktion Schönbergs erstes Bühnenwerk vorangestellt. Das macht Sinn.

Verzweiflung, Angst und höchste Krisis in beiden Werken; dralle, sinnliche, effektvolle Musiken da wie dort. Susanne Sommer wurde mit der halbkonzertanten Einrichtung der "Erwartung" betraut. Man sieht eine ansteigende Fläche, die an einer rechteckigen Wand ihr Ende findet. Mittendrin: ein rechtsgerichteter Stuhl. Auch noch da: ein Mann. Meist steht er stumm, von Zeit zu Zeit ergeht er sich in zäher, textinspirierter Fluglotsen-Gestik. Der tote Geliebte als sedierter Pantomime und musikalischer Gebärdendolmetsch? Hmmm. Heidi Brunner auf der emotionalen Achterbahn ficht das alles nicht an. Sie bringt die anspruchsvolle Partie der verzweifelnden Geliebten mit stimmlicher Verve und Präzision.

Die junge Elisabeth Attl leitet das solide agierende Volksopernorchester mit Umsicht und Klarheit, beginnt den Schönberg mit subtiler Vorsicht, macht Seufzer, Weltschmerz, Bittersüße hörbar. Khatuna Mikaberidze ist eine darstellerisch wie stimmlich erschütternde Mutter des "Gefangenen", diesen interpretiert Sebastian Holecek anfänglich unfrei, später zunehmend groß. Welker Applaus. Hinaus in die Nacht. (end)
Volksoper, 2. 11. 18.00

Sportstück: Xavier Le Roy gastiert im Tanzquartier

Die Spieler sind Tänzer, Performer, Künstler und Theoretiker, die Choreografie folgt stark manipulierten sportlichen Regeln aus dem Turnsaal. Der in Berlin lebende französische Choreograf Xavier Le Roy, ursprünglich Molekularbiologe, spielt mit Repräsentationen, Spieltheorien und sich selbst organisierenden Abläufen. In seinem neuen Stück Projekt, das im September diesen Jahres in Lissabon uraufgeführt wurde, zeigt er, dass konzeptuelle Bühnenarbeit ziemlich viel Witz haben kann. Zuletzt inszenierte Le Roy die Premiere des Musiktheaterprojekts "Theater der Wiederholungen" von Bernhard Lang im Rahmen des steirischen herbstes. Anpfiff! (ploe)
Tanzquartier im Museumsquartier, Halle G, 7., Museumsplatz 1,
(01) 581 35 91.
20.30

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