USA: Streit über Irakgelder

28. Oktober 2003, 21:52
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Kontroversielle Ansichten bei den Kandidaten der Demokraten

Weniger als drei Monate vor der ersten Vorwahl in New Hampshire, wenige Stunden vor den jüngsten Anschlägen in Bagdad, und zum zweiten Mal innerhalb von zwei Monaten haben sich die neun demokratischen Präsidentschaftskandidaten am Sonntag in Detroit zu einer Debatte getroffen. Dabei ging es, wie erwartet, über weite Strecken um das Thema Irak. Senator Joseph Lieberman, der den Krieg von Anbeginn an befürwortet hatte, kritisierte seine Senatskollegen John Kerry und John Edwards, die gegen das Paket von 87 Milliarden Dollar für den Irak votiert hatten. Lieberman selbst hielt diese Ausgabe für durchaus sinnvoll.

Er nahm auch General Wesley Clark ins Visier, der bisher "sechs verschiedene Positionen" zum Irakkrieg eingenommen habe. Clark seinerseits lobte Kerry und Edwards, die, wie er, gegen das Irakpaket gestimmt hatten. Der derzeitige Spitzenreiter in den Umfragen, Howard Dean, musste sich gegen Vorwürfe verteidigen, als Gouverneur des kleinen Staates New Hampshire habe er nicht genügend außenpolitische Erfahrungen – er konterte jedoch, sein Urteilsvermögen (er hatte sich von Beginn gegen den Krieg ausgesprochen) sei besser als das von einigen seiner erfahreneren Mitstreiter. Kerry fasste letztlich die Meinung aller zusammen: "Dieser Präsident hat jeden Schritt des Weges falsch gemacht" und habe je des Versprechen, das er gemacht hatte, gebrochen.

Mittlerweile steht Verteidigungsminister Donald Rumsfeld im Kreuzfeuer der Kritik: Entgegen den optimistischen Behauptungen des Weißen Hauses über die Fortschritte im Irak hatte er in einem internen Memo an seine Mitarbeiter erklärt, man habe bisher nur "gemischte" Resultate erzielt und noch einen harten Weg vor sich. In einem Washington Post-Artikel stieß Rumsfeld nach: Man müsse die Schlacht um die Köpfe jener Menschen gewinnen, die in der ganzen Welt von Terroristen angeworben würden.

Rumsfelds Ministerium hat indes eine Untersuchung gegen General William G. Boykin eingeleitet, der vor kurzem behauptet hatte, bei dem Krieg gegen den Terror handle es sich um eine Schlacht gegen "Satan" – islamische Radikale planten die Zerstörung Amerikas, "weil wir eine christliche Nation sind". Außerdem sei George W. Bush "nicht von der Mehrheit der Wähler gewählt, sondern von Gott als Präsident eingesetzt worden". (DER STANDARD, Printausgabe, 28. 10. 2003)

Von Susi Schneider aus New York
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