Frankreich: Atomwaffen gegen "Schurkenstaaten"

29. Oktober 2003, 16:30
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Chirac überarbeitet laut "Liberation" Militärdoktrin - Von Abschreckung zu Angriff - Auf der Wunschliste: "Mini-Nukes" für gezielte Zerstörungen

Paris - Frankreich überarbeitet nach Informationen der Pariser Tageszeitung "Liberation" seine Militärdoktrin und richtet das Atomwaffen-Arsenal auf so genannte "Schurkenstaaten" aus.

Keine Abschreckung mehr

Die französischen Atomwaffen seien neuerdings nicht mehr nur als Abschreckung gegen andere Atommächte gedacht, sondern auch für den Einsatz gegen mögliche Angreifer mit Bio- oder Chemiewaffen, heißt es in der Montagsausgabe des Blattes unter Berufung auf hochrangige Vertreter der Streitkräfte. Die Einzelheiten unterlägen strikter Geheimhaltung. Die "Liberation" schätzt die Zahl der französischen Atomsprengköpfe auf 250. Rund drei Milliarden Euro würden pro Jahr für die Atomwaffen ausgegeben.

Präsident Jacques Chirac werde die "neue Doktrin" in den kommenden Wochen verkünden, heißt es in dem Blatt weiter. Chirac hatte zu Beginn seiner ersten Amtszeit eine Serie von Atomtests angeordnet, die 1996 abgeschlossen wurden. Der Staatschef sehe sich in der Frage der Atomrüstung in der Tradition von Präsident Charles de Gaulle, der in den 60er Jahren die atomare Rüstung seines Landes aufbaute.

"Mini-Nukes"

Im Zentrum der neuen Militärdoktrin steht laut "Liberation" der Gedanke, dass bei einem Atomwaffen-Einsatz möglichst wenig Zivilisten zu Schaden kommen sollten. So werde im Umfeld von Verteidigungsministerin Michele Alliot-Marie über den Bau von "Mini-Atombomben" nachgedacht, die gezielt gegen bestimmte Gebäudekomplexe eingesetzt werden könnten. Ebenso wie die Regierung in Washington bereite sich auch Frankreich darauf vor, solche Waffen "präventiv" gegen "Schurkenstaaten" einsetzen zu können. (APA)

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    Frankreich richtet laut "Liberation" seine Atomwaffen auf "Schurkenstaaten" aus

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