UN-Tribunal will Anklage gegen Gotovina ausweiten

28. Oktober 2003, 16:25
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Zeitung: Flüchtiger kroatischer General könnte auch wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen in der Republika Srpska zur Verantwortung gezogen werden

Zagreb - Das UNO-Tribunal in Den Haag wird seine Anklage gegen den flüchtigen kroatischen General Ante Gotovina möglicherweise auch auf Kriegsverbrechen in der Republika Srpska, den serbischen Landesteil Bosnien-Herzegowina, ausweiten. Das berichtete am Montag die Tageszeitung "Vecernji List".

Unter Berufung auf Regierungskreise schrieb die Zeitung, dass Gotovina auch Verbrechen gegen serbische Zivilisten, Verwundete sowie angehörigen der Armee der Republika Srpska zur Last gelegt werden könnten.

"Vecernji List" zufolge diente der jüngste Besuch von UNO-Chefanklägerin Carla del Ponte auch dazu, neue Dokumente zu sammeln, die für die Anklageschrift verwendet werden sollen. Die mutmaßlichen Verbrechen sollen in Sipovo, Mrkonjic-Grad, Drvar, Bosansko Grahovo und Jajce geschehen sein. Darin waren angeblich auch Kommandanten der kroatischen Armee (HV) und der bosnisch-kroatischen Miliz (HVO) verwickelt.

Während der Vorbereitungen für die Operation "Sturm" im August 1995 zur Rückeroberung der von aufständischen Serben besetzten Krajina sollen auch Angriffe auf Zivilisten im Westen der Republika Srpska angeordnet worden sein, die nicht mit kriegerischen Notwendigkeiten zu rechtfertigen waren. Dabei sollen 150 gefangene Zivilisten und mehr als 270 Kriegsgefangene der bosnisch-serbischen Armee getötet worden sein.

Auf der Liste der Verdächtigen soll aber auch der kürzlich verstorbene erste Präsident Bosnien-Herzegowinas, der bosniakische Politiker Alija Izetbegovic, stehen. Del Ponte hatte erst jüngst bestätigt, dass auch gegen die Armee Bosnien-Herzegowinas wegen Kriegsverbrechen ermittelt werde.

Gotovina ist bereits wegen Kriegsverbrechen an serbischen Zivilisten während kroatischer Militäroperationen gegen die zwischen 1991 und 1995 von Serben kontrollierten Landesteile angeklagt worden.

Fünf Albaner verhaftet

Die UNO-Polizei im Kosovo hat am Montag fünf ehemalige Albaner-Rebellen festgenommen. Sie würden verdächtigt, im Kosovo-Krieg von 1999 Verbrechen verübt zu haben, berichtete der öffentlich-rechtliche Fernsehsender RTK. Die fünf Männer seien von italienischen Carabinieri in der Stadt Kacanik im Osten der von der UNO verwalteten Provinz festgenommen worden. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ante Gotovina auf einem Archivbild.

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