Ablaufleistungen werden heuer deutlich steigen
St. Wolfgang - Die Prämieneinnahmen in der österreichischen
Lebensversicherer werden heuer voraussichtlich nur schwach wachsen.
Im ersten Halbjahr 2002 erhöhten sich die Prämieneinnahmen nur um 2,2
Prozent auf 2,8 Mrd. Euro. Um 25 Prozent eingebrochen sind die
Einmalerläge, während es bei den Verträgen gegen laufende Prämie ein
Plus von 9,4 Prozent gab.
"Schwarze Null"
Für das Gesamtjahr sollte sich aber, abhängig von der weiteren
Entwicklung bei den Einmalerlägen, eine "schwarze Null" ausgehen,
erwartet Allianz-Österreich Vorstand und Vorsitzender der Sektion
Leben im Versicherungsverband, Manfred Baumgartl.
Auch die neue staatlich geförderte Zukunftsvorsorge wird bei den
Versicherungen zu einem deutlichen Plus in der laufenden Prämie
beitragen. Derzeit sind bereits rund 120.000 Verträge abgeschlossen.
Ablaufleistungen steigen
Deutlich steigen werden heuer die Ablaufleistungen in der
Lebensversicherung, die Allianz beispielsweise erwartet ein drei mal
so hohes Volumen wie in "normalen Jahren". Grund dafür ist das
Auslaufen von 15-jährigen Lebenspolizzen ("Salcher-Polizzen"), die im
Zuge der Steuerreform des Jahres 1989 einen regelrechten Boom erlebt
hatten. Baumgartl rechnet für sein Haus damit, dass rund 20 Prozent
davon wieder gewonnen werden können.
Insgesamt dürften rund 200.000 bis 250.000 Verträge fällig werden,
erwartet Wiener Städtische-Vorstand Kurt Ebner. Die Städtische hoffe,
dass rund 30 bis 35 Prozent, jedenfalls aber 20 Prozent
wiedergewonnen werden können, von Einmalerlägen bis hin zu eine
Umwandlung in Rentenversicherungen. Es dürfte ein Jahr werden, in dem
die Versicherungen mehr zurückzahlen als sie einnehmen, so Baumgartl.
Die Leistungen seien reserviert, betonte Ebener, es werde lediglich
zu einem Wegfall in der laufenden Prämie kommen.
Run auf betriebliche Altersvorsorge
Punkten wollen die Versicherungen künftig auch in der
betrieblichen Altersvorsorge. Von der Umsetzung der neuen
Pensionsfondsrichtlinie der EU erhofft sich die Branche in Österreich
eine steuerliche Gleichstellung der Gruppenlebensversicherung mit den
Pensionskassen. Wichtig sei auch ein freier Wechsel zwischen den
beiden Systemen, so Baumgartl. Es solle die Wahlfreiheit geben, in
welcher Risikoklasse der künftige Pensionist bleiben wolle, ob er
beispielsweise bei Annäherung an den Pensionsantritt in das sichere
System der Lebensversicherung wechseln wolle. Pensionskassen und
Versicherungen würden mittel- bis langfristig gleichberechtigte
Partner in der betrieblichen Altersvorsorge sein, so Ebner.
Die Senkung des Garantiezinssatzes, also jener Zinsen die eine
Versicherung bei Vertragsabschluss maximal garantieren darf, von
derzeit 3,25 Prozent auf 2,75 Prozent per Jahresbeginn 2004 werde für
die Kunden eher von geringer Bedeutung sein, so Baumgartl. Es komme
noch die Überschussbeteiligung dazu. (APA)