Lebensversicherung wächst heuer schwach

Redaktion, 27. Oktober 2003 16:03

Ablaufleistungen werden heuer deutlich steigen

St. Wolfgang - Die Prämieneinnahmen in der österreichischen Lebensversicherer werden heuer voraussichtlich nur schwach wachsen. Im ersten Halbjahr 2002 erhöhten sich die Prämieneinnahmen nur um 2,2 Prozent auf 2,8 Mrd. Euro. Um 25 Prozent eingebrochen sind die Einmalerläge, während es bei den Verträgen gegen laufende Prämie ein Plus von 9,4 Prozent gab.

"Schwarze Null"

Für das Gesamtjahr sollte sich aber, abhängig von der weiteren Entwicklung bei den Einmalerlägen, eine "schwarze Null" ausgehen, erwartet Allianz-Österreich Vorstand und Vorsitzender der Sektion Leben im Versicherungsverband, Manfred Baumgartl.

Auch die neue staatlich geförderte Zukunftsvorsorge wird bei den Versicherungen zu einem deutlichen Plus in der laufenden Prämie beitragen. Derzeit sind bereits rund 120.000 Verträge abgeschlossen.

Ablaufleistungen steigen

Deutlich steigen werden heuer die Ablaufleistungen in der Lebensversicherung, die Allianz beispielsweise erwartet ein drei mal so hohes Volumen wie in "normalen Jahren". Grund dafür ist das Auslaufen von 15-jährigen Lebenspolizzen ("Salcher-Polizzen"), die im Zuge der Steuerreform des Jahres 1989 einen regelrechten Boom erlebt hatten. Baumgartl rechnet für sein Haus damit, dass rund 20 Prozent davon wieder gewonnen werden können.

Insgesamt dürften rund 200.000 bis 250.000 Verträge fällig werden, erwartet Wiener Städtische-Vorstand Kurt Ebner. Die Städtische hoffe, dass rund 30 bis 35 Prozent, jedenfalls aber 20 Prozent wiedergewonnen werden können, von Einmalerlägen bis hin zu eine Umwandlung in Rentenversicherungen. Es dürfte ein Jahr werden, in dem die Versicherungen mehr zurückzahlen als sie einnehmen, so Baumgartl. Die Leistungen seien reserviert, betonte Ebener, es werde lediglich zu einem Wegfall in der laufenden Prämie kommen.

Run auf betriebliche Altersvorsorge

Punkten wollen die Versicherungen künftig auch in der betrieblichen Altersvorsorge. Von der Umsetzung der neuen Pensionsfondsrichtlinie der EU erhofft sich die Branche in Österreich eine steuerliche Gleichstellung der Gruppenlebensversicherung mit den Pensionskassen. Wichtig sei auch ein freier Wechsel zwischen den beiden Systemen, so Baumgartl. Es solle die Wahlfreiheit geben, in welcher Risikoklasse der künftige Pensionist bleiben wolle, ob er beispielsweise bei Annäherung an den Pensionsantritt in das sichere System der Lebensversicherung wechseln wolle. Pensionskassen und Versicherungen würden mittel- bis langfristig gleichberechtigte Partner in der betrieblichen Altersvorsorge sein, so Ebner.

Die Senkung des Garantiezinssatzes, also jener Zinsen die eine Versicherung bei Vertragsabschluss maximal garantieren darf, von derzeit 3,25 Prozent auf 2,75 Prozent per Jahresbeginn 2004 werde für die Kunden eher von geringer Bedeutung sein, so Baumgartl. Es komme noch die Überschussbeteiligung dazu. (APA)

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