"Samstag ist bester Beratungstag"

30. Oktober 2003, 14:28
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Raiffeisen-Banker Peter Püspök will Strukturwandel im Bankengeschäft mit neuen Öffnungszeiten beschleunigen - mit Umfrage

Wien - "Schaltergeschäfte in den Banken werden zu einer reinen Nischentätigkeit." Peter Puspök, Generaldirektor der Raiffeisen-Landesbank Niederösterreich-Wien (RLB), ortet einen "raschen Strukturwandel" in der Branche. In Österreich gebe es bereits über eine Million Internetbanking- Anschlüsse, Tendenz stark steigend.

Das bedeute, dass sich die Mitarbeiter in den Instituten immer stärker auf höherwertige Beratungstätigkeiten konzentrieren könnten. Und hier müsse deutlich stärker auf die Bedürfnisse der Kunden Rücksicht genommen werden.

"Die Relikte aus früheren Zeiten müssen abgeschafft werden. Eine Obergrenze von zehn Stunden Arbeit an einem Tag hat heute bei uns nichts mehr verloren. Und für ausführliche Finanzberatungen in der Bank ist Samstag doch der beste Tag in der Woche", macht sich der RLB-Chef für eine umfassende Liberalisierung der Banköffnungszeiten stark.

Reine Beratungsfilialen

So, wie es bereits Automatenfilialen für die Abwicklung von Überweisungen und Bargeldtransaktionen gebe, werde es auch reine Beratungsfilialen ohne Schalter geben, sagte Püspök. Die erste dieser Geschäftsstellen ist bereits am Maurer Hauptplatz im 23. Wiener Gemeindebezirk eröffnet worden.

Derzeit sind etwa zehn bis 20 Prozent der Mitarbeiter mit Beratung beschäftigt, dieser Wert soll sich in den nächsten fünf bis sieben Jahren verdoppeln. Dazu kann sich Püspök auch neue Entlohnungssysteme vorstellen: "Beratung ist nicht in Stunden messbar. Die Arbeitszeiten müssen flexibel auf die Kundenwünsche eingehen. Deswegen sind erfolgsabhängige Gehaltssysteme hier sicher besser."

Suche nach finanzkräftigem Partner gescheitert

Die Suche des Raiffeisen- Spitzeninstitutes Raiffeisen Zentralbank (RZB) - an dem die RLB Niederösterreich- Wien 31,4 Prozent hält - nach einem finanzkräftigen Partner hält Püspök für gescheitert: Den reichen Passagier, der viel Geld einbringt, aber keinen Einfluss auf das Reiseziel haben wolle, den gebe es wohl eher nicht. Deshalb sondiere man nun andere Möglichkeiten.

Einen Börsengang der Ostholding oder der RZB lehnt Püspök eher ab: "Das passt nicht zu Genossenschaftsbanken, das ist nicht unsere Kultur." Während börsenotierte Aktienbanken eher eigentümer- und kapitalmarktorientiert agierten, wären Genossenschaftsbanken kundenorientiert. Für eine Partnerschaft mit den Volksbanken sei man hingegen jederzeit offen. (DER STANDARD Printausgabe,28.10.2003 mimo)

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