Das "erste Mal" ist ein prägendes Erlebnis

27. Oktober 2003, 23:00
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Wolfsspinnen-Weibchen messen ihre künftigen Partner daran - und fressen die Durchgefallenen

Washington - Weibliche Wolfsspinnen vergessen ihr "erstes Mal" nie. Die Umstände der ersten Paarung entscheiden nach Erkenntnis einer US-Forscherin über Leben und Tod aller nachfolgenden Freier. Männliche Wolfsspinnen mit Merkmalen, die der Umworbenen vertraut sind, dürfen auf Sex hoffen. Verehrern aber, die sich vom ersten Partner zu stark unterscheiden, droht das Ende. Weibliche Wolfsspinnen sind dafür bekannt, dass sie jene Freier töten und verspeisen, die ihnen "nicht passen".

Als Maßstab legen die Spinnenweibchen die Erinnerung an ihre ersten Paarungserlebnisse an, fand Eileen Hebets vom Institut für Neurobiologie und Verhaltensforschung der Cornell-Universität in Ithaca (US-Bundesstaat New York) heraus. Ihr Bericht erscheint in der Online-Ausgabe der "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften ("PNAS") vom Dienstag.

Vergleich

Hebets Studie basiert auf einem Versuch mit jungen, noch nicht geschlechtsreifen Weibchen und bereits geschlechtsreifen Männchen der Wolfsspinnenart Schizocosa uetzi. Die Männchen dieser Art haben braun und schwarz pigmentierte Vorderbeine, die beim Paarungsritual eine wichtige Rolle spielen. Um die spätere Partnerwahl der Weibchen zu testen, betupfte Hebets die Beine der Männchen mit braunem oder schwarzem Nagellack. Dann ließ sie die heranwachsenden Weibchen mit den sie umwerbenden Männchen zusammen, aber jeweils nur mit schwarz oder braun gefärbten.

Als die Weibchen schließlich geschlechtsreif waren, führte Hebets sie mit Männchen beider Farben zusammen. Dabei stellte sie fest, dass die Weibchen sich fast durchgehend den Freiern hingaben, die bei dem Paarungsritual die vertraute Beinfärbung vorzeigten. Männchen mit der nicht vertrauten Farbe dagegen wurden häufig getötet und verspeist, berichtet die Forscherin.

Die Wirbellosen machen es uns nach ... bzw. vor

Hebets weist darauf hin, dass verschiedene Wirbeltierarten, Vögel, Reptilien und vor allem Menschen, ihre Partnerwahl bekanntermaßen auch auf "soziale Interaktionen" begründen. Ihre Studie zeige nunmehr, dass auch "wirbellose Tiere sich an sozialen Kennzeichen orientieren, und dass diese sogar durch den Reifeprozess hindurch erinnert werden. Solche Einflüsse lenken das erwachsene Verhalten und bestimmen möglicherweise die Evolution...", merkt die Autorin an. (APA/dpa)

Vgl. "PNAS", (DOI: 10.1073/pnas.2333262100)
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