RZB hofft auf mittelfristige Erholung

28. Oktober 2003, 12:46
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Analysten-Einschätzung nach Verhaftung von Yukos-Chef: "Chancen stehen gut, dass langfristig keine negativen Effekte zurück bleiben"

Wien - Die Raiffeisen Zentralbank (RZB) ist zuversichtlich, dass sich die russischen Finanzmärkte rasch wieder von den Rückgängen durch die Verhaftung von Yukos-Chef Michail Chodorkowski erholen werden. Montagmittag befinden sich alle größeren Aktien zwischen 5 und 15 Prozent im Minus - Yukos sogar um 19 Prozent, Sibneft um 18 Prozent.

"Es liegt auf der Hand, dass derartige Vorfälle das Vertrauen der Investoren beeinträchtigen. Doch mit dem Hintergrund des kürzlich von der Ratingagentur Moody's erlangten Status eines Investmentgrades und der weiterhin hervorragenden wirtschaftlichen Entwicklung vieler russischer Unternehmen stehen die Chancen gut, dass für den Gesamtmarkt langfristig keine negativen Effekte zurückbleiben sollten", so die aktuelle Einschätzung der RZB-Research-Abteilung von heute, Montag.

Börse-Crash nach Inhaftierung

Hintergrund des russischen Börse-Crash ist die Inhaftierung von Yukos-Chef Michail Chodorkowski, über den am vergangenen Samstag nach vierstündigen Vernehmungen die Untersuchungshaft verhängt wurde. Die Anklage wirft ihm Verstöße in sieben Anklagepunkten, unter anderem Steuerhinterziehung und schweren Diebstahl, vor. Dem russischen Staat seien wegen der vorgeworfenen Verstöße laut offiziellen Angaben Einnahmen im Ausmaß von einer Milliarde US-Dollar entgangen. Chodorkowski könnte bis mindestens 30. Dezember in Haft bleiben.

Die Entwicklung ist laut RZB sowohl für den russischen Aktienmarkt als auch speziell für Yukos "eindeutig als negativ zu sehen". Die Analysten vergleichen die Situation mit jener von Anfang Juli 2003, als der Aktienindex RTSI nach der Verhaftung des Chodorkowski-Vertrauten und Yukos-Großaktionärs Platon Lebedew innerhalb weniger Tage um mehr als 15 Prozent an Wert verlor. Diese Verluste konnte das Unternehmen damals in den folgenden Monaten allerdings wieder mehr als wettmachen.

Rückzug Chodorkowskis?

Die weitere Entwicklung am russischen Aktienmarkt dürfte nun wesentlich vom weiteren Verlauf dieses Konfliktes abhängen. Laut RZB konnte eine Lösung darin bestehen, dass sich Chodorkowski, der reichste Mann Russlands, durch den Verkauf seiner Anteile aus Yukos zurückzieht. "Doch scheint er (noch) nicht gewillt zu sein auf einen derartigen Kompromiss einzugehen und lässt aus dem Gefängnis über seinen Anwalt verlauten, dass er nichts in seiner Vergangenheit bereue", so die Einschätzung.

Chodorkowskis Verhaftung ist der vorläufige Schlusspunkt unter einer Reihe von Inhaftierungen im Zusammenhang mit Yukos. Am 2. Juli wurde Platon Lebedew festgenommen, im Oktober auch der Präsident von Yukos Moskwa Wassili Schuchnowski, gegen den ein Strafverfahren wegen Steuerhinterziehung eingeleitet wurde.

Politische motiviert?

Das Unternehmen und zahlreiche Experten sehen die Verhaftung politisch motiviert, da Chodorkowski ein bekennender Unterstützer der Oppositionsparteien ist, der sich gegenüber dem Staat wiederholt "als nicht sehr kooperativ" erwiesen hat.

Yukos unterstreicht in einer Stellungnahme, dass das operative Geschäft von der Inhaftierung nicht betroffen sei und in gewohnter Weise fortgeführt werden könne. Weiters bleibt die Stimmrechtsvergabe nach wie vor bei den Hauptaktionären, nachdem die Handlungsfähigkeit durch einen Trust kontrolliert wird. (APA)

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