Verein für Konsumenteninformation kritisiert überzogene Telekom-Werbung mit ADSL-Anschlüssen

19. Jänner 2000, 15:02

Telekom bewirbt Möglichkeiten, die in der Realität nicht vorhanden sind - ADSL lasse noch viel zu wünschen übrig

Wien - Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) registriert Beschwerden von A-Online-Kunden im Zusammenhang mit der neuen von der Telekom Austria angebotenen ADSL-Technologie (Asymmetric Digitale Subscriber Line). Die Kunden seien mit den Leistungen ihres ADSL-Anschlusses unzufrieden, da das Produkt die in der Werbung versprochenen Möglichkeiten in Wirklichkeit nicht bietet, heißt es in einer Presseinformation vom VKI vom Montag.

Flächendeckend

Konkret führe A-Online an, als erster Internet-Provider ADSL flächendeckend ans Netz zu bringen. In Wirklichkeit sei jedoch vorerst - laut Aussagen der Geschäftsführung - nur an das Erschließen der Landeshauptstädte gedacht. "Auch die Auslobung des unlimitierten Internetzugangs hält in der Praxis nicht stand", kritisiert Paul Srna, Projektleiter im VKI.

Der Kunde erhalte keine IP-Adresse (Internet-Protocol), was beim beworbenen vollwertigen Internet-Zugang verwundert, so der VKI. Dadurch sei nämlich keine direkte Verbindung von PC zu PC möglich, was zur Folge habe, dass der Nutzer nicht an Videokonferenzen teilnehmen kann. Dafür sei nämlich die Identifikation durch die IP-Adresse nötig. Bestimmte Internet-Dienste, wie z. B. das bei Jugendlichen sehr beliebte Chatprogramm ICQ, liessen sich ebenfalls nicht nützen. Auch FTP-Programme (File Transfer Protokoll), den Dokumentenaustausch großer Schriftstücke, lasse ADSL nicht zu. Nicht zuletzt müssen auch Freunde des Internet-Design, die ihre Homepage etwas anspruchsvoller gestalten wollen, erhebliche Einschränkungen hinnehmen.

Inaktivität

Ein weiterer Kritikpunkt: Nach 30 Minuten Inaktivität bzw. nach acht Stunden online werde die Verbindung automatisch unterbrochen. Daher sollte von einem unlimitierten Internetzugang in der Werbung keine Rede sein, beanstandet der VKI. Außerdem sollten Warnmechanismen die bevorstehende Unterbrechung rechtzeitig ankündigen.

Auf wenig Gegenliebe stoße auch die Beschränkung auf einem GB (GigaByte) Daten pro Monat: Der Vergleich mit 40.000 Druckseiten auf der A-Online Web-Site sei irreführend und missverständlich, weil dieses Datenlimit bei einer Verwendung der ebenfalls beworbenen Multimedia-Möglichkeiten ohne weiteres innerhalb von fünf Stunden aufgebraucht werden könne. Beispielsweise verbrauche unter Umständen ein einziger Videofilm (Format MPEG-2 codiert für DVD) sogar etwa 5 GB Speicherplatz. Beim Überschreiten der 1GB- Grenze fallen dann recht hohe Datenmengen-Gebühren an.

Nur Fünf Prozent?

Die A-Online-Geschäftsführung führe ins Treffen, dass lediglich 5 Prozent der Kunden das 1GB-Limit überschritten. Dabei stelle sich die Frage nach dem Sinn dieser Regelung, argumentiert der VKI. Selbst jene wenigen Kunden, die mehr als 1 GB benötigen, dürften doch bei einem als unlimitiert beworbenen Zugang auch tatsächlich erwarten, dass es keine Grenze gibt.

Auch die Service-Hotline lasse wegen durchwegs langer Wartezeiten zu wünschen übrig. Zudem trügen widersprüchliche oder falsche Aussagen zu weiterer Verunsicherung der Kunden bei. Der VKI fordert die Telekom daher auf, nicht mit Möglichkeiten, die in dem neuen System stecken zu werben, sondern mit jenen Leistungen, die die Telekom bei ADSL derzeit auch tatsächlich bietet.

Zu wenig IP-Adressen für TA verfügbar

Die A-Online-Mutter Telekom Austria (TA) hat die vom Verein für Konsumenteninformation (VKI) vorgebrachten Vorwürfe bezüglich der neuen ADSL-Technologie (Asymmetric Digitale Subscriber Line) teils zurückgewiesen, teils aber Probleme eingestanden. A-Online habe nie kommuniziert, ADSL flächendeckend ans Netz bringen zu wollen, wies TA-Marketingleiter Truls Andresen den VKI-Vorwurf zurück.

Die Verfügbarkeit der IP-Adressen (Internet-Protocol) sei hingegen wirklich ein Problem, da der TA zu wenig Adressen zur Verfügung gestellt bekommen habe, so Andresen. Bis Ende Februar werde aber jeder Kunde eine eigene Adresse bekommen. Ein Problem sei auch die zu geringe Besetzung der Service-Hotline: "Wir haben nicht mit einem derartigen Kundenansturm gerechnet", so Andresen. Seit dem Start des Dienstes am 15. November habe man "zigtausende ADSL-Anschlüsse" vor allem in Wien und Linz verkauft, genaue Zahlen wolle die TA aber nicht nennen.

Dass nach 30 Minuten Inaktivität die Verbindung automatisch unterbrochen werde, sei ein international gängiger Modus, so Andresen. "Niemand liest eine Website 30 Minuten lang", so Andresen. Die Beschränkung auf ein Gigabyte entspreche hingegen dem Preis: "Für diese Gebühren kann der Kunde nicht mehr erwarten", so Andresen.

Bis Ende Februar erhält jeder ADSL-User eine Wechseladresse

Wie die Telekom Austria (TA)präzisierte, enthalte jeder Kunde bis Ende Februar eine sogenannte dynamische IP (Internet-Protocol)-Adresse, aber keine eigene Adresse. Bei jedem Einloggen bekommt der Kunde demnach eine neue Adresse. Da es sich bei IP-Adressen um eine "weltweit limitierte Ressource" handle, die in Europa von der Non-Profit-Organisation RIPE mit Sitz in Amsterdam vergeben werde, könne nicht jeder Privatkunde eine eigene Adresse bekommen. (APA)

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