Ruf nach Konsequenzen für das "Crash-Theater"

30. Oktober 2003, 19:15
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Der Fall Rabenhof: Mailath-Pokorny beruft Sondersitzung des Kulturausschusses im Wiener Gemeinderat ein

Wien - In Zusammenhang mit dem Kontrollamtsbericht über das Rabenhoftheater in Wien-Erdberg hat nun der Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (S) für kommenden Montag eine Sondersitzung des Kulturausschusses im Wiener Gemeinderat anberaumt. Nachdem es offenbar das Bedürfnis der Oppositionsparteien gebe, das Thema zu erörtern, sei die Einberufung ohne vorherigen Antrag erfolgt.

Marboe: Woller habe Geld "unter Umgehung des Ressorts" aufgebracht

Der Rabenhof sei ein "Crash- und kein Trash-Theater", meinte VP-Wien Klubobmann Matthias Tschirf. "Tatsache ist", setzte Marboe fort, "dass gegen die ausdrückliche Warnung seitens der Referenten der MA 7 und mir diese Konstruktion geschaffen wurde". Obwohl damals im Kulturbudget kein Geld für eine neue Bühne da war, habe Woller zwei Millionen Schilling (145.000 Euro) aufgebracht. Marboe: "Und zwar unter Umgehung des Ressorts". Nach dem Wahlsieg der SPÖ sei Marboe zufolge im Oktober 2001 die Summe direkt aus dem regulären Kulturbudget der MA 7 überwiesen worden. Insgesamt seien seit damals 2,5 Millionen Euro aus laufenden Budgets der Stadt Wien und des Bezirkes Landstraße in das Rabenhoftheater geflossen.

Sonderausschuss

In einem Sonderausschuss seien eine Reihe von Fragen zu klären, etwa, wieso die MA 7 nicht bereits nach den ersten groben Verfehlungen eingegriffen habe oder warum die Subventionsabrechnungen und Buchhaltung nicht genau kontrolliert wurden, obwohl die Geschäftsführungsprobleme Welunscheks bekannt waren. Zu klären sei auch, warum trotz "richtlinienwidriger Abrechnungen" weitere Subventionen von der MA 7 ausbezahlt wurden. Für Marboe ist der "Eindruck, dass hier parteipolitisch motivierter Druck auf die MA 7 ausgeübt wurde, höchst nahe liegend".

"Im Theaterbereich geht fast immer alles schief , wenn sich die Parteipolitik einmischt"

Dramatisch sei der Fall auch deshalb, weil in Folge des "parteipolitischen Projektes Rabenhoftheater" zahlreiche andere freien Produktionen weniger oder kein Geld "aus budgetären Gründen, wie die Begründung lautete" (Marboe) erhielten. Dazu gehören etwa die basis wien oder das Jüdische Theater Austria. Marboe: "Wir lernen daraus, dass im Theaterbereich fast immer alles schief geht, wenn sich die Parteipolitik einmischt". Angesprochen auf die kürzlich ausgeschriebenen Leitung des Volkstheaters zeigte sich Marboe skeptisch: "Ich kann nur hoffen, dass die Ausschreibung ernst gemeint ist. Ich hätte mir aber eine Jury gewünscht".

"Der Kulturstadtrat hat diesen ungeheuren Skandal wissentlich zugelassen"

Heftige Kritik an Mailath-Pokorny übte am Montag auch die Kultursprecherin der Wiener Grünen, Marie Ringler: "Der Kulturstadtrat hat diesen ungeheuren Skandal wissentlich zugelassen. Die Gründe dafür kennt wohl nur der Stadtrat selbst, niemandem ist seine Haltung mehr nachvollziehbar". Kontrollausschussmitglied Michael Ludwig (S) dagegen beschwichtigt via Aussendung: "Die Vorwürfe der Opposition gehen insofern ins Leere, als richtige Konsequenzen bereits gezogen wurden. Daneben soll nicht vergessen werden, dass der Rabenhof über eineinhalb Jahre auch international beachtetes Theater produziert hat und der Standort etabliert werden konnte". (APA)

Vorgeschichte
DER STANDARD berichtete.

"Man brauchte eben einen Sündenbock"
Rabenhof-Debakel: Karl Welunschek wehrt sich gegen ungerechtfertigte Vorwürfe

Die Geier kreisten über dem Rabenhof
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