Kippe und Spritze

31. Oktober 2003, 19:10
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Suchtexperte über Nikotin: "Wir sprechen hier über eine Substanz, die ein fast so hohes Suchtpotenzial hat wie Heroin"

Klagenfurt - Fast drei Viertel der über 15-jährigen Österreicher haben bereits Erfahrungen mit Nikotin gesammelt. Wie man bei der Jugend vorbeugend die Nikotinsucht verhindern kann, darüber zerbrechen sich von Montag bis Mittwoch 120 Präventionsexperten in Kärnten den Kopf. Christoph Lagemann, Obmann der österreichischen Arge Suchtvorbeugung, meinte am Montag: "Wir sprechen hier über eine Substanz, die ein fast so hohes Suchtpotenzial hat wie Heroin."

"Brennpunkt Tabak" ist das Motto der diesjährigen Fachtagung der Arbeitsgemeinschaft in Keutschach am Hafnersee. Die zentralen Forderungen der Fachleute sind die Schaffung eines Präventionsfonds, die Erarbeitung eines nationalen Aktionsplans und das Verbot von Zigarettenautomaten. Lagemann unterstrich bei einem Pressegespräch in Klagenfurt zum Auftakt der Tagung die Bedeutung der präventiven Arbeit bei Jugendlichen: "Es fangen kaum Erwachsene zu rauchen an, die Basis dafür wird in der Jugend gelegt." Der Kärntner Gesundheitsreferent LHStv. Peter Ambrozy (S) wies darauf hin, dass die Prävention auch volkswirtschaftlich großen Nutzen bringe.

Weg mit den Automaten

Ambrozy plädierte ebenfalls für ein Verbot der Zigarettenautomaten: "Auf der einen Seite bemühen wir uns, dass die Bestimmungen des Jugendschutzgesetzes, wonach an Jugendliche unter 16 Jahren keine Tabakwaren verkauft werden dürfen, eingehalten werden, auf der anderen Seite kann man jederzeit und überall Zigaretten im Automaten kaufen." In Kärnten habe man vor einem Monat eine Jugendschutzoffensive gestartet, in die auch die Trafikanten einbezogen worden seien. In Kooperation mit der Wirtschaftskammer habe man alle Trafikanten angeschrieben. Wie die Umsetzung funktioniert, soll ab November mit Testkäufen durch Jugendliche überprüft werden.

Lagemann beklagte die prekäre finanzielle Situation der Arbeitsgemeinschaft: "Der Bund hat die Unterstützung um ein Drittel gekürzt, von 22.000 auf 15.000 Euro." Dies sei kurzsichtig, kritisierte Ambrozy, es müsste viel mehr Geld in die Prävention gesteckt werden. Leider würden die Budgets oft von Betriebswirten erstellt, denen der langfristige Nutzen solcher Investitionen häufig nicht einsichtig sei.

Bei der Tagung am Hafnersee werden neben Fachvorträgen und Diskussionen auch Workshops veranstaltet. Dabei sollen Lösungsmöglichkeiten für die Suchtprävention speziell bei Jugendlichen gefunden werden. Maßnahmen zur Tabakprävention seien seitens der professionellen Suchtvorbeugung bisher eher stiefmütterlich behandelt worden, meinte Lagemann, hier soll die Fachtagung Abhilfe schaffen. (APA)

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