Arbeitslosigkeit bei Akademikern steigt weiter rasant

Redaktion, 02. November 2003 20:29

15 Prozent mehr als im Vorjahr, fast doppelt so viele wie vor drei Jahren - Alle Studienrichtungen und Berufsgruppen betroffen

Wien - Die Zahl der arbeitslosen Akademiker in Österreich steigt weiterhin rasant an. Laut der zwei Mal im Jahr durchgeführten Sonder-Erhebung des Arbeitsmarktservice (AMS) waren Ende September 7.415 Doktoren, Magister, Diplomingenieure und sonstige Akademiker (ohne Fachhochschulabsolventen) ohne Job. Das sind 989 oder 15,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Betroffen sind alle Studienrichtungen sowie Berufsgruppen. Nach einer spürbaren Verbesserung der Arbeitsmarktlage für Hochschulabsolventen Ende der Neunziger Jahre steigt die Arbeitslosigkeit seit 2000 kontinuierlich und dramatisch an. Zum Vergleich: Im September 2000 waren erst 4.329 Akademiker beim AMS vorgemerkt.

45- bis 50-Jährige und ...

Den stärksten Anstieg mit einem Plus von 26,1 Prozent meldet das AMS für heuer gegenüber dem Vorjahr für die 45- bis 50-Jährigen. Bei den über 60-Jährigen beträgt das Plus 25,3 Prozent, bei den 50- bis 55-Jährigen 19,2, bei den 22- bis 25-Jährigen 18,4, bei den 25- bis 30-Jährigen 17 und bei den bei den 40- bis 45-Jährigen 16,3 Prozent. Vergleichsweise niedrige Werte erreichten die 30- bis 40-Jährigen (plus 11,8 Prozent) und die 55- bis 60-Jährigen (plus 9,8 Prozent).

Nach Studienrichtungen aufgeschlüsselt, geht es den Pädagogik-Absolventen mit Abstand am schlechtesten, ihre Arbeitslosigkeit stieg um 31 Prozent. Es folgen die Mediziner, bei ihnen gibt es 19,9 Prozent mehr, die beim AMS gemeldet sind. Es folgen Psychologen, Publizisten, Betriebswirte, Juristen, Biologen und Handelswissenschafter. Relativ gut kommen noch Architekten (plus acht Prozent) und Lehramtsabsolventen (plus zwei Prozent) weg.

... Land- und Forstwirte besonders betroffen

Nach Berufsgruppen ist der Bereich Land- und Forstwirtschaft am stärksten betroffen (plus 30,3 Prozent). Auch in Industrie und Gewerbe (plus 27,3 Prozent) sowie Handel und Verkehr (plus 26,5 Prozent) sieht es ähnlich trist aus. Am besten geht es noch in der Gruppe Gesundheit/Lehrberuf mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit um lediglich 12,3 Prozent.

Der Anteil der Akademiker an der Gesamtarbeitslosigkeit in Österreich ist in der aktuellen Erhebung um 0,4 Prozentpunkte auf 3,6 Prozent geklettert, auch die durchschnittliche Vormerkdauer ist angestiegen und zwar um zwölf Tage auf 159. Offene Stellen für Akademiker verbucht das AMS für September 2003 153, das entspricht der Zahl des Vorjahres. (APA)

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Posting 1 bis 25 von 91
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Brigitta Greisinger
 
11.11.2004 13:09
Zur Situation von AkademikerInnen in Österreich - Teil II b

4. Viele haben nach Studienabschluß keinen staatlichen Leistungsanspruch zur Deckung ihres Lebensunterhaltes während der Arbeitssuche und leben häufig unter der Armutsgrenze. 5. Die Idee des Ministeriums für soziale Sicherheit und Generationen zur sozialen Lage arbeitssuchender AkademikerInnen: Man/frau solle von der Sozialhilfe leben. 6. Ausweg Sozialhilfe? Bei Antragstellung wird unter Umständen hingewiesen, daß mit einem positiven Bescheid erst zu rechnen ist, wenn die Eltern auf Unterhaltspflicht geklagt worden sind und diese Klage abgelehnt worden ist. 7. Die Idee des Ministeriums für Wirtschaft und Arbeit sowie des AMS: Keine, schließlich gäbe es so wenige AkademikerInnen, daß diese keine Rolle spielen.

Brigitta Greisinger
 
11.11.2004 13:08
Zur Situation von AkademikerInnen in Österreich - Teil II a

1. Bei der Arbeitssuche ist mit einer mehrjährigen Suchdauer mit hunderten Bewerbungen zu rechnen. Dies betrifft insofern diejenigen AkademikerInnen, welche weder in eine AkademikerInnenfamilie geboren wurden, noch auf Protektionen oder Vitamin B zurückgreifen können. 2. Die österreichische Institution „Uns“ bevorzugt aus personalkostenspezifischen Gründen minder ausgebildete Beschäftigte, weshalb viele AkademikerInnen als „Wirtschaftflüchtlinge“ ins Ausland abwandern müssen. 3. Die österreichische Institution „Uns“ bleibt im Ausbildungsniveau lieber unter sich. Höherqualifizierte würden nur Unruhe stiften und zu Konflikten innerhalb der nicht-akademischen KollegInnen beitragen.

Brigitta Greisinger
 
11.11.2004 13:06
Zur Situation von AkademikerInnen in Österreich - Teil I

Initiiert durch das niederschmetternde Bildungsergebnis der OECD-Studie für Österreich war in den letzten Tagen folgendes Fazit häufig zu lesen: „Uns fehlen Studierende und AkademikerInnen!“. Gerne würde ich wissen, wer sich hinter dem „Uns“ samt Anschrift verbirgt, damit ich mich als junge Akademikerin inklusive ausgezeichneten Doktorat und Berufserfahrung umgehend bewerben kann. Bereits seit Monaten beschäftige ich mich mit der Situation arbeitssuchender AkademikerInnen, habe ein Forum initiiert, Ministerien, Ämter sowie PersonalmitarbeiterInnen kontaktiert und tausche mich mit vielen Betroffenen aus. Leider gestaltet sich die Situation von AkademikerInnen samt Berufserfahrung in Österreich wie folgt äußerst unattraktiv:

Brigitta Greisinger
 
11.11.2004 13:00
Zur Situation von AkademikerInnen in Österreich - Teil III

8. Von Seiten des AMS ist – begründend mit Punkt 7 – keine Hilfestellung zu erwarten. Spezifische Förderungen oder Angebote für AkademikerInnen gibt es nicht. Die einzige Möglichkeit besteht darin, sich freiwillig arbeitssuchend zu melden. 9. Aus allen bisher genannten Gründen befinden sich leider viele AkademikerInnen in der Dunkelziffer und scheinen selbst in der Arbeitslosen-Statistik nicht auf. 10. Mit der Sponsions- und Promotionsurkunde hält man/frau sämtliche Ablehnungsbescheide – so auch für jegliche Bildungsförderungen – in der Hand. 11. Trotz rund 20-jähriger Ausbildungsdauer ist – mit wenigen Ausnahmen – mit keinem höheren Einkommen zu rechnen. Das Einstiegsgehalt bewegt sich meist in der Höhe eines Jugendlichen im 3. Lehrjahr.

Brigitta Greisinger
 
11.11.2004 13:35
Zur Situation von AkademikerInnen in Österreich - Teil IV

12. Zukunftsweisend gestaltet sich auch der Blick zur Pensionierung äußerst unattraktiv. Schließlich können unter Berücksichtigung der langen Ausbildungsdauer und der mehrjährigen Arbeitssuche die geforderten 45 Versicherungsjahre nie erreicht werden. Mit hohen Abschlägen ist zu rechnen. Die Ausbildungszeiten als teure Versicherungszeiten nachkaufen? – Womit denn? 13. Fazit: Braucht die österreichische Institution „Uns“ überhaupt AkademikerInnen? – Angesichts der gesellschaftlichen wie politischen Diskriminierungen und unattraktiven Arbeitsaussichten sicher nicht.

Dr. Brigitta Greisinger, Alberndorf
www.members.aon.at/ueberqualifizierung

Brigitta Greisinger
 
11.11.2004 13:11
Zur Situation von AkademikerInnen in Österreich - Teil IV

12. Zukunftsweisend gestaltet sich auch der Blick zur Pensionierung äußerst unattraktiv. Schließlich können unter Berücksichtigung der langen Ausbildungsdauer und der mehrjährigen Arbeitssuche die geforderten 45 Versicherungsjahre nie erreicht werden. Mit hohen Abschlägen ist zu rechnen. Die Ausbildungszeiten als teure Versicherungszeiten nachkaufen? – Womit denn? 13. Fazit: Braucht die österreichische Institution „Uns“ überhaupt AkademikerInnen? – Angesichts der gesellschaftlichen wie politischen Diskriminierungen und unattraktiven Arbeitsaussichten sicher nicht.

Dr. Brigitta Greisinger, Alberndorf
www.members.aon.at/ueberqualifizierung

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