Reuters-Quartalsumsatz sinkt weniger stark als erwartet

31. Oktober 2003, 14:33
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Nachrichten- und Informationskonzern nun etwas optimistischer für 2003 - Aktien legen mehr als vier Prozent zu

Der internationale Nachrichten- und Informationskonzern Reuters Group hat im dritten Quartal im Kerngeschäft einen etwas weniger starken Umsatzrückgang verbucht als erwartet. Vorstandschef Tom Glocer gab sich auch für das Gesamtjahr etwas optimistischer, wollte aber noch nicht von einer Trendwende auf dem Schlüsselmarkt Europa sprechen.

Das Unternehmen teilte am Montag in London mit, der Umsatz im Kerngeschäft - ohne Einnahmen der elektronischen Handelsplattform Instinet - sei von Juli bis September um acht Prozent auf 658 Millionen Pfund gesunken. Analysten hatten im Schnitt mit einem stärkeren Rückgang auf 642 Millionen Pfund gerechnet. "Die Geschäfte liefen in diesem Quartal ein bisschen besser als erwartet, weil die Zahl der Netto-Abbestellungen im dritten Quartal in Folge gesunken ist", erklärte Glocer.

Positive Signale

In Asien und USA gehe es wieder aufwärts, und es gebe auch einige positive Signale in Europa, beschrieb der Vorstandschef die Marktlagen in den verschiedenen Regionen. "Ich sehe noch nicht genug Beweise in den Umsätzen, um von einer Trendwende in Europa zu sprechen", fügte er aber hinzu. In Europa erzielt Reuters rund die Hälfte seiner Umsätze. Rund 80 Prozent der Abbestellungen von Reuters-Produkten wie Nachrichten, Daten oder Kalkulationssoftware, die zumeist abonniert werden, kamen im dritten Quartal aus Europa.

An der Londoner Börse legten die Reuters-Aktien in der Spitze um mehr als vier Prozent auf 245 Pence zu. Gegen Mittag notierten die Aktien noch mit 3,6 Prozent im Plus bei 240 Pence. Seit dem 17-Jahrestief im März hat sich der Kurs der Papiere damit mehr als verdoppelt, da Investoren auf eine nachhaltige Erholung der Erträge des Unternehmens in den kommenden Jahren setzen.

Sinkender Umsatz seit 2001

Reuters leidet seit 2001 unter sinkenden Umsätzen, da die beiden großen Kundengruppen des Nachrichtenkonzerns - die Finanz- und die Medienbranche - selbst in der Krise stecken und massiv Kosten senken. Nach einem Rekordverlust im vergangenen Jahr leitete der mehr als 150 Jahre alte Konzern einen harten Sparkurs ein, der den Abbau von 3.000 Stellen und den Verkauf des traditionsreichen Firmensitzes in der Londoner Fleet Street umfasste. Das Programm soll die Kosten ab 2006 um 440 Millionen Pfund pro Jahr senken.

Im ersten Halbjahr 2003 hatte Reuters wieder operativ Gewinne geschrieben. Wichtigster Konkurrent ist die nicht börsennotierte Finanzagentur Bloomberg, die von New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg kontrolliert wird.

Rückgang

Der Konzernumsatz einschließlich Instinet fiel im dritten Quartal ebenfalls um acht Prozent auf 789 Millionen Pfund. Die von Analysten viel beachtete Kennzahl der regelmäßigen Einnahmen aus Abonnement-Produkten, die 93 Prozent des Kerngeschäfts ausmachen, ging um 10,9 Prozent auf 609 Millionen Pfund zurück.

Bei den Umsatzaussichten für das Gesamtjahr gab sich Reuters etwas optimistischer als zuletzt. "Wir erwarten jetzt einen Rückgang der regelmäßigen Einnahmen im Gesamtjahr von elf Prozent oder etwas weniger", erklärte Glocer. Finanzchef David Grigson präzisierte den Ausblick gegenüber Analysten und bezifferte das für 2003 erwartete Umsatzminus mit 10,5 bis elf Prozent. Im Juli hatte das Unternehmen einen Umsatzrückgang von etwa elf Prozent für 2003 prognostiziert. Für das kommende Jahr wagte Glocer noch keine Vorhersage. Erst im Jänner werde er sich über 2004 äußern.

Analysten sehen vor allem den Dezember als Schlüsselmonat für die Geschäftsaussichten des Konzerns im nächsten Jahr an. "Die Ergebnisse heute sind ein bisschen besser als erwartet, aber die Visibilität ist noch sehr gering. Der fehlende Ausblick für 2004 könnte einige verunsichern", hieß es in einem Kommentar der Bank HSBC. (APA/Reuters)

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