USA vs. Europa

22. Februar 2005, 20:09
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Wo sollte man investieren und warum - Ein von e-fundresearch.com veranstalteter Roundtable mit Tim Stevenson und Johann Weisenhorn

Europa: Chancen einer „Mature Economy“

e-fundresearch: Der Konjunkturausblick für Europa ist nicht sehr rosig, in den USA hingegen ist die Konjunkturlokomotive bereits angelaufen, der Markt dafür insgesamt teurer. Wo sollte man also ihrer Ansicht nach in nächster Zeit investiert sein?

Tim Stevenson: Die europäischen Wirtschaften werden in nächster Zeit einfach nicht die Stärke haben, die man in den USA sehen wird. Der Stabilitätspakt bremst z.B. das Wachstum. Aber auch entwickelte Volkswirtschaften wie Europa bieten Chancen: Man wird eben nicht mehr in Stahlwerte, sondern eher in Dienstleistungsbereiche wie Software investieren. Die Möglichkeiten sind da, aber man muss länger suchen und als Stock-Picker genauer arbeiten.

Johann Weisenhorn: In den USA sind die Dinge einfach grundsätzlich anders. Man darf keine Äpfel mit Birnen vergleichen. Man sieht am Beispiel von Intel – einem sehr großen Unternehmen - gut die enorme Anpassungsfähigkeit und -geschwindigkeit der US-Firmen. Dazu kam das historisch größte Stimulationsprogramm, dass wir je hatten. Die USA werden weiterhin den weltweiten Kurs vorgeben, das bleibt unverändert. Zusätzlich ist die Wirtschaft viel breiter diversifiziert als hier in Europa.

US-Arbeitsmarkt: Jobless Recovery bald vorüber?

e-fundresearch: Der amerikanische Arbeitsmarkt wird immer als viel flexibler und damit „besser“ als der europäische angesehen. Ist diese Hire-and-fire Politik aber wirklich langfristig erfolgreicher als in Europa?

Tim Stevenson: Das ist eine Bewertungssache, da die Rahmenbedingungen anders sind. Die Europäer übernehmen mehr soziale Verantwortung was sich eben auch am Arbeitsmarkt zeigt. Die Verbindung aus Sozialismus und Kapitalismus ist stärker. Aber generell ist die Mentalität einfach anders. In den USA beginnen die Firmen aber auch langsam langfristiger zu denken, während die europäischen Firmen kurzfristiger denken als noch vor ein paar Jahren. Es findet als eine kleine Annäherung an. Die Wahrheit liegt wie immer dazwischen.

Johann Weisenhorn: Das sehe ich auch so. Die Amerikaner und die Europäer haben generell in vielen Dingen einfach andere Ansichten. In Amerika wird die Arbeitslosigkeit erst sinken, wenn das Wirtschaftswachstum über der Produktivitätsrate liegt. Da diese Rate aber sehr hoch liegt, muss auch das BIP enorm schnell wachsen bevor überhaupt Jobs geschaffen werden. Langsam sehen wir da aber auch schon positive Anzeichen.

Land mit der schwächeren Währung hat den stärkeren Aktienmarkt

e-fundresearch: Der Euro-USD Kurs war zuletzt sehr volatil. Birgt ein Investment in den USA für Euro-Anleger dadurch nicht große Risken?

Johann Weisenhorn: Wenn mir jemand mal erklären kann, was einen Wechselkurs wirklich beeinflusst, wäre ich sehr froh. Im Ernst: Der Dollar ist jetzt dort wo er 1987 schon einmal war. Das Land mit der schwächeren Währung hat aber traditionell immer den stärkeren Aktienmarkt. Jedes Mal wenn die Weltwirtschaft in eine Flaute kommt, schwillt automatisch das US-Leistungsbilanzdefizit an. Ob es zu einer weiteren Abwertung des Dollar kommt, wird der Markt entscheiden. Eine genaue Vorhersage ist fast unmöglich…

EZB vs. Fed

e-fundresearch: Ist es besser für Stabilität zu sorgen wie die EZB es tut, oder aktiv einzugreifen wie die Fed es tut?

Tim Stevenson: Das wird sich nur auf lange Zeit zeigen. Europäer sind in der Geldpolitik wesentlich konservativer. Das Haupthemmnis Europas sind aber die Strukturprobleme, wie in Deutschland, die noch lange nicht gelöst sind.

Johann Weisenhorn: Die Politik der Notenbanken resultier aus gewachsenen Strukturen, die weder besser noch schlechter sind. Europäer und Amerikaner müssen Probleme auf ihre Art lösen.

Das vollständige Interview finden Sie unter www.e-fundresearch.com

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