Baustopp in Berlin am Holocaust-Mahnmal

28. Oktober 2003, 10:13
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Grund: Graffitischutz von der Firma Degussa

Nach jahrelangen Verzögerungen wurden die Bauarbeiten für das geplante Holocaust-Mahnmal in Berlin im Sommer mit Hochdruck betrieben, jetzt wurden sie wieder eingestellt. Der Grund für den vorläufigen Baustopp: Der Auftrag für den Graffitischutz der 2700 Stelen des Denkmals wurde an das Unternehmen Degussa vergeben. Wie allgemein bekannt ist, gehörte zu Degussa auch jene Firma, die während der NS-Zeit Zyklon B lieferte, mit dem Juden vergast worden waren.

Die Vorsitzende des Förderkreises Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Lea Rosh, sagte im Rundfunk Berlin-Brandenburg, man könne den Opfern des Holocaust die Beteiligung der Firma am Bau des Mahnmals nicht zumuten. "Einer im Kuratorium hat gesagt, zweimal am Mord an den Juden verdienen, dies geht wirklich nicht." Zwar sei die Firma Degussa vorbildhaft bei der Aufarbeitung ihrer Geschichte. Aber hier sei "eine Grenze überschritten".

Neue Firma gesucht

Die ersten Stelen wurden Mitte August aufgebaut. Nun wird beraten, wie es weitergeht und ob die Betonsäulen wieder abgebaut werden müssen. Lea Rosh plädiert dafür, dass auch die noch nicht aufgebauten Stelen neu gegossen werden sollten. Eine neue Firma für den Graffitischutz wird gesucht.

Bereits mehrfach hatte sich der Fortgang der Planungen für das Denkmal wegen unterschiedlichen Auffassungen über Ort, Design und Kosten verzögert. Für die Errichtung des Mahnmals in der Nähe des Brandenburger Tors auf einer Fläche in der Größe von vier Fußballfeldern nach Plänen des US-Architekten Peter Eisenman werden rund 26 Millionen Euro veranschlagt. (Alexandra Föderl-Schmid aus Berlin/DER STANDARD; Printausgabe, 27.10.2003)

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