G-20 wollen rasche Liberalisierung des Welthandels

30. Oktober 2003, 15:35
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Eichel: WTO-Runde bis 2005 abschließen - USA werben um Finanzhilfe für den Irak

Morelia - Die Finanzminister der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G-20) plädieren eindringlich für eine neue Chance für die Liberalisierung des Welthandels. Die G-20 setze sich intensiv dafür ein, dass die Verhandlungen der Welthandelsorganisation (WTO) noch in diesem Jahr wieder aufgenommen werden, sagte der deutsche Finanzminister Hans Eichel (SPD) am Sonntag am Rande des G-20-Finanzministertreffens im mexikanischen Morelia. "Freier Welthandel ist ein Fundament für Wohlstand der ganzen Erde", betonte Eichel.

WTO-Runde bis 2005

Die G-20 mache sich dafür stark, dass die laufende WTO-Runde wie geplant bis 2005 erfolgreich zu Ende gebracht werden kann, sagte Eichel. Die 5. Ministerkonferenz der WTO im mexikanischen Badeort Cancun war Mitte September an unüberbrückbaren Differenzen zwischen Industriestaaten auf der einen und Schwellen- sowie Entwicklungsländern auf der anderen Seite ergebnislos zu Ende gegangen. Die Mitgliedsländer der WTO hatten bei einer Konferenz in Doha (Katar) 2001 beschlossen, bis Ende 2004 zu einer Einigung über weit reichende Handelserleichterungen zu kommen.

In Morelia diskutieren die Finanzminister- und Notenbankchefs der G-20 auf ihrer Jahrestagung noch bis Montag über die hohen Leistungsbilanzdefizite und die wachsende Verschuldung vieler Staaten. Außerdem sollen Maßnahmen zur Entwicklungsfinanzierung und zur Bekämpfung der Terrorfinanzierung erörtert werden.

Ungleichgewichte

Nach Auffassung der G-20 geht es mit der Weltwirtschaft zwar wieder deutlich aufwärts. Dabei herrschten aber extreme Ungleichgewichte. Eichel nannte besonders das doppelte Defizit in den USA, das nicht nur zu Lasten des Euro oder einiger kleinerer Währungen abgebaut werden dürfe. Alle Staaten müssten gemeinsam daran arbeiten, die Weltwirtschaft wieder in ein neues Gleichgewicht zu bringen. Die USA müssten ihr Haushaltsdefizit reduzieren und die Sparquote erhöhen. Von den Europäern erwarte die G-20, dass sie mehr für das Wirtschaftswachstum täten und ihre sozialen Sicherungssysteme "zukunftsfest" machten.

Als Gefahr für die Weltwirtschaft bezeichnete Eichel insbesondere die steigende Staatsverschuldung. "Überall auf der Welt geht die Staatsverschuldung hoch. Besonders bedrückt uns das in den Schwellenländern, insbesondere wenn das mit kurzfristigen Schuldtiteln geschieht. Aber auch in den Industrieländern kann das nicht so weitergehen, weil das unsere Zukunftsvorsorge nachhaltig beeinträchtigt", sagte Eichel.

Welteke: Weltwirtschaft geht´s besser

Bundesbankpräsident Ernst Welteke hatte zuvor in Morelia gesagt, die Weltwirtschaft sei derzeit in einem besseren Zustand als zuvor, auch wenn Fragen nach dem Wiederanspringen der Konjunktur in den USA weiterhin bestehen blieben. Außer dem Weltwirtschaftswachstum gehöre die in Doha eingeläutete laufende Welthandelsrunde zu den wichtigsten Themen des Treffens. Nach dem Scheitern der Konferenz in Cancun müsse es möglicherweise innerhalb der Welthandelsorganisation (WTO) neue Verhandlungen über eine Reduzierung der Subventionen für Entwicklungsländer geben.

Die Gruppe der 20 umfasst neben den acht wichtigsten Industriestaaten (G-8) auch Argentinien, Australien, Brasilien, China, Indien, Indonesien, Mexiko, Saudi-Arabien, Südafrika, Südkorea und die Türkei. Mitglieder sind zudem die Europäische Union, vertreten durch die EU-Präsidentschaft und die Europäische Zentralbank (EZB), sowie der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank.

USA werben um Finanzhilfe für den Irakb>

US-Finanzminister John Snow will beim Treffen Deutschland, Frankreich und Russland erneut zu weiteren Geldern für den Wiederaufbau des Irak drängen. "Wir sind noch nicht am Ende", sagte Snow am Samstag vor seinem Abflug aus Madrid nach Morelia. "Ich bin immer noch zuversichtlich. Dies ist ein Prozess, bei dem es weitere Gelegenheiten geben wird, an dem Wiederaufbau des Irak teilzunehmen."

Er werde am Rande des Treffens Gespräche mit den Vertretern der drei Länder führen. Die Irak-Geberkonferenz in Madrid hatte vergangene Woche mit Zusagen von 33 Milliarden Dollar geendet. (APA/dpa/Reuters)

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