Nordkorea gibt Peking nach

28. Oktober 2003, 11:27
1 Posting

China macht sich für nächste Sechs-Länder-Gespräche stark - US-Außenminister Powell: "Positive Entwicklung"

Nordkorea ist wieder zu Gesprächen im Atomstreit mit den USA bereit. Der stalinistische Staat kam mit einer entsprechenden Erklärung dem Drängen seines wichtigsten politischen Verbündeten China nach. Peking hatte ein Signal verlangt, bevor am Mittwoch Parlamentspräsident Wu Bangguo und der Korea-Unterhändler, Vizeaußenminister Wang Yi, Pjöngjang besuchen. Die seit Jahren ranghöchsten Politiker, die Peking nach Pjöngjang schickt, hoffen auf eine Zusage von Führer Kim Yong-il, dass sein Land sich an der nächsten Sechs-Länder-Gesprächsrunde für eine Lösung des Atomkonflikts beteiligt.

Peking setzt sich für ein Treffen im November ein. Ein Signal, dass Chinas Botschaft Gehör fand, gab Nordkorea am Samstag. Ein Sprecher des Außenministeriums kündigte Umdenken gegenüber einer neuen Offerte der USA an. Er äußerte plötzlich Interesse an einer von US-Präsident George W. Bush auf seiner Asienreise angebotenen Sicherheitserklärung, mit der er Pjöngjang wieder an den Verhandlungstisch zurückbringen will. Bush hatte versichert, dass die USA Nordkorea Sicherheitsgarantien geben wollten, wenn Pjöngjang im Gegenzug sein Atomprogramm einstellt. Pjöngjang hatte zum Ärger Pekings zuerst von einem "lächerlichen Vorschlag" gesprochen.

Am Samstag äußerte sich der Sprecher anders: "Wir sind bereit, das Angebot in Erwägung zu ziehen, wenn es die Absicht verfolgt, dass die USA in Koexistenz mit Nordkorea leben und wenn es die von Nordkorea vorgeschlagene Paketlösung zu verwirklichen hilft."

Powell sieht "positive Entwicklung"

US-Außenminister Collin Powell hat die nordkoreanische Bereitschaft, das amerikanische Angebot über Sicherheitsgarantien unter bestimmten Bedingungen zu prüfen, als "positive Entwicklung" bezeichnet. Er wolle aber nicht von einem Durchbruch sprechen, sagte er auf eine entsprechende Frage in einem Interview des Fernsehsenders NBC am Sonntag. "Vor uns liegen noch viele lange Tage und Nächte von Diskussionen, sagte Powell.

Nordkorea hatte am Samstag über seine amtlichen Medien erklärt, es wolle jetzt doch unter bestimmten Bedingungen die von US-Präsident George W. Bush angebotenen Sicherheitsgarantien prüfen. Bush hatte eine solche Garantie im multilateralen Rahmen der Gespräche von sechs Staaten als Gegenleistung für die überprüfbare Einstellung des nordkoreanischen Atomprogramms vorgeschlagen. Einen von Pjöngjang geforderten bilateralen Nichtangriffspakt lehnen die USA jedoch ab.

Die USA verdächtigen das stalinistisch regierte Land, Atomwaffen herzustellen und fordern einen Verzicht auf dessen nukleare Aktivitäten. Pjöngjang fordert als Bedingung einen formalen Nichtangriffspakt der USA, was diese jedoch ablehnen. Bush betonte, sein Angebot einer Sicherheitsgarantie sei als "Dokument", nicht als "Vertrag" gedacht.

Nach Angaben der staatlichen nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA soll das Weiße Haus einen Besuch einer Delegation des US-Kongresses in Nordkorea verhindert haben. Der Republikaner Curt Weldon sowie andere Kongressmitglieder hätten die Erlaubnis gehabt, Ende Oktober den Reaktor Yongbyon zu besuchen. Weldon habe Pjöngjang aber am Freitag informiert, dass das Weiße Haus diesen Besuch abgelehnt habe. (DER STANDARD, Printausgabe, 27.10.2003/APA/dpa)

Von Johnny Erling aus Peking
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Nun liegt die Entscheidung bei Kim Yong-il (links), ob Nordkorea sich an der nächsten Sechs-Länder-Gesprächsrunde für eine Lösung des Atomkonflikts beteiligt.

Share if you care.