Ernte lieferte Weinwirtschaft gute Basis

29. Oktober 2003, 16:58
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"Extravangante" Qualität liefert die Weinernte 2003 - Zunehmend wichtig ist der Export, wo fast über Nacht die USA zum zweitwichtigsten Markt aufgerückt sind - Mit Infografik

Wien - Für die heimische Weinwirtschaft bietet die diesjährige Weinernte alle Voraussetzungen, um die Erfolge der vergangenen Jahre fortzusetzen. Trotz Widrigkeiten wie Hagelschlägen im Frühjahr, die vor allem bei den Wiener Weinbergen zu beträchtlichen Einbußen führten, und einer langen sommerlichen Hitzeperiode liegt die Ertragsmenge im langjährigen Schnitt.

Dafür hat die außerordentliche Wärme Grundlage für einen "extravaganten Jahrgang" geschaffen, sagt die Österreichische Weinmarketinggesellschaft (ÖWM). Mengenrückgänge gab es aufgrund der langen Trockenperiode nur im Burgenland, erklärte ÖWM-Sprecherin Susanne Staggl.

Fast unveränderte Mengen

Ansonsten lag die Ernte mit 2,57 Mio. Hektoliter im Schnitt der vergangenen zehn Jahre und nur sehr geringfügig unter 2002 (2,6 Mio. Hekoliter). "Für Produzenten von Qualitätsweinen spielt die Menge eine immer geringere Rolle", erklärt der Winzer Leo Hillinger aus Jois im Burgenland dem STANDARD. Er selbst habe zwar rund 15 Prozent weniger Ertrag verzeichnet, was aber keine Auswirkungen auf den erzielbaren Wert habe.

Österreichs Exportentwicklung der vergangenen Jahre zeigt dies sehr anschaulich: Während die Tschechische Republik nach Menge inzwischen zum zweitgrößten Exportmarkt hinter Deutschland aufrückte und mit 155.000 Hektoliter fast 50 mal soviel Wein als über den Atlantik geliefert wird (3257 Hektoliter), haben die USA mit 4,3 Mio. Euro Wert Tschechien bereits verdrängt (3,7 Mio. Euro; Angaben 2001). Weiterhin ist Deutschland sowohl nach Menge (293.000 Hektoliter) als auch nach Wert (34 Mio. Euro) Österreichs Hauptmarkt im Ausland. Vorläufige Daten sprechen dafür, dass Österreich den Exporterfolg des vergangenen Jahres fortsetzen kann. 2002 hat Österreich trotz schwierigen wirtschaftlichen Umsatzes um 17 Prozent mehr Menge und neun Prozent mehr Wert als 2001 exportiert; erstmals übertrafen die Exporte die Weinimporte nach Österreich.

Eintrittstor New York

Wie sich die Exportperspektiven auswirken, zeigt sich beim Weingut Hillinger: "Wir wollen unseren Export von derzeit 30 Prozent unseres Umsatzes in den nächsten zehn Jahren auf 50 Prozent steigern", sagt Hillinger. Seit dem heurigen Jahr verkauft er auch in die USA. "Es gibt dort ein höheres Niveau für den Export und der Markt ist riesig", wenn auch nicht einfach. Eintrittstor sei New York, "weil es das Europa Amerikas ist. "Es gibt dort Meinungsbildner, die sind derzeit auf österreichische Weine abonniert." Vor allem Grüner Veltliner ist dank hymnischer Rezensionen zum Modewein der Saison avanciert.

"Die Österreicher haben die önologische Katze aus dem Sack gelassen", schwärmt ein Bericht der New York Times über den "Grüner". "Der Veltliner macht den Schritt nach vorn, aber dahinter geht es um österreichischen Wein", sieht Hillinger die Zugpferd-Funktion der klassischen österreichischen Sorte. Eine Chance habe man jedoch auf dem US-Markt nur bei entsprechendem Einsatz: Seit er im Juni bei einer Fachmesse mit seinem ersten Auftritt in den USA Angebote von drei Händlern erhalten habe, sei er bereits dreimal für Verkaufsshows in den USA gewesen. (Helmut Spudich, DER STANDARD Printausgabe, 27.10.2003)

  • New York liebt den "Grünen": Die "önologische Katze" ist aus dem Sack, schrieb die New York Times
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    New York liebt den "Grünen": Die "önologische Katze" ist aus dem Sack, schrieb die New York Times

  • Weinexport übersteigt Import
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    Weinexport übersteigt Import

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