Die Festwochen ein wenig entlasten ...

31. Oktober 2003, 11:57
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Gespräch mit Hans Landesmann, Noch-Musikchef der Wiener Festwochen, über ein Anton-Webern-Fest, den "Rattenfänger" und das Mozart-Jahr

Hans Landesmann, Noch-Musikchef der Wiener Festwochen, will im nächsten Jahr ein Anton-Webern-Fest machen und den "Rattenfänger" von Friedrich Cerha rehabilitieren. Das Mozart-Jahr im Theater an der Wien (2006) möchte er betreuen - allerdings ohne die Wiener Festwochen. Ein Gespräch.


Wien - Gern ist er dort dabei, sagt Hans Landesmann, wo etwas im Entstehen begriffen ist. Deswegen ist der Noch-Musikchef der Wiener Festwochen auch seit Oktober jeden Monat eine Woche lang in Rom, um bei der Accademia Nazionale di Santa Cecilia etwas in die Wege zu leiten: "Nachdem bekannt wurde, dass ich bei den Festwochen aufhöre, gab es einige Angebote - mir schien das interessant. Da ist ein Riesenkomplex, dem man mehr Leben einhauchen soll, mit Festivals und Abo-System."

Das neue Engagement verwundert natürlich etwas, denn auch nach seinem überraschenden Rückzug von den Wiener Festwochen (den nächsten Frühling betreut er noch) lässt sich nicht behaupten, Landesmann hätte wenig zu tun. Auch in Wien ist ja manches - siehe Mozart-Jahr 2006 und Umwandlung des Theaters an der Wien in ein Opernhaus - im Entstehen. Und auch da bedient man sich seiner Erfahrungen.

Selbst im Aufsichtsrat der Wiener Staatsoper ist er vertreten. Wobei er jener Sitzung, in der die Verlängerung von Staatsoperndirektor Ioan Holender abgesegnet wurde, aus Termingründen ferngeblieben war und sich zu dieser Entscheidung auch nicht weiter äußern kann, es nur "grotesk findet, dass Holender länger im Amt ist als etwa ein Gustav Mahler. Aber so ist das Leben", schmunzelt Landesmann.

Wie auch immer. Ein anderes Thema ist ihm wichtiger: So findet er zum Beispiel, dass die Wiener Festwochen im Mozart-Jahr 2006 nicht im Theater an der Wien engagiert sein sollten: "Das ist eigentlich sinnlos. Im Theater an der Wien ist mit Roland Geyer schon ein Verantwortlicher installiert. Manche Projekte des Mozart-Jahres werden auch 2007 weiterlaufen, das Ganze sollte also in der Verantwortung der Vereinigten Bühnen Wien liegen. Ich habe auch schon mein Konzept für das Mozart-Jahr präsentiert. Ich würde die Durchführung mit Geyer übernehmen, wenn er das wünscht. Man sollte die Festwochen im Musiktheaterbereich eher entlasten. Sie haben mit den Projekten von Peter Sellars genug zu tun", findet Landesmann.

Elf Millionen

Eine Reihe von Opern sind schon geplant (Idomeneo und Titus etwa); dazwischen würden gewisse "Lücken" mit Konzerten (zwischen 20 und 30 an der Zahl) aufgefüllt. Landesmann plant einen Schwerpunkt mit Maurizio Pollini, die Wiener Philharmoniker würden mit Simon Rattle spielen. Auch Mariss Jansons, András Schiff, das Alban Berg Quartett und die Brüder Christian und Wolfgang Muthspiel sind Teil des Projektes. Manches hängt da von den Finanzen ab. Landesmann hat um elf Millionen Euro angesucht.

Dass es dereinst drei Opernhäuser in Wien geben wird, findet er gut: "Bezüglich der Staatsoper ist absehbar, dass sie auf Repertoirebetrieb mit relativ wenig Premieren setzen wird. Im Theater an der Wien wird man im Staggione-Stil Dinge machen können, die lange Probenphasen erfordern. Es wird um Barock, Mozart und Moderne gehen, um Dinge, die akustisch gut in das Theater passen. Möglichst soll man die Wiener Symphoniker einbinden, auch das Klangforum Wien."

Gesunde Konkurrenz

Mozart werden doch alle drei Häuser machen wollen? "Mozart ist ein Problem, aber das muss man besprechen, da kann es Koproduktionen geben. Auch gegen eine gesunde Konkurrenz ist nichts einzuwenden. Aber nicht, wie in Berlin, zulasten des Publikums, das wäre schrecklich. Im Moment sieht es gut aus, natürlich: Man weiß nie . . ." Grundsätzlich gelte aber für diese Szene: "Die größten Feinde werden in einer Woche die besten Freunde."

Seine Beziehung zu Festwochenchef Luc Bondy will er damit nicht beschrieben haben. Schon gar nicht will er seinen Abgang bei den Festwochen in einem Zwist begründet sehen: "Das war meine Initiative. Drei Festwochen-Jahre, das schien mir eine runde Geschichte. Zweitens wollte ich mich den Themen Mozart-Jahr und Theater an der Wien intensiv widmen." In seiner letzten Festwochensaison plant er aber eine Neuheit: Da soll es einen zweitägigen Anton-Webern-Schwerpunkt im Konzerthaus geben. "Sein Gesamtwerk hat ja weniger Noten als die Alpensymphonie von Richard Strauss und weist Eigenheiten der Instrumentation auf. Webern ist nicht leicht in den Konzertalltag zu integrieren", sagt Landesmann, der auch Friedrich Cerhas Oper Der Rattenfänger präsentieren wird. "Schade, dass sich gerade diese Oper, die meiner Meinung nach musikalisch die stärkste Cerha-Oper ist, ein Flop war. Wir probieren eine Rehabilitation." (DER STANDARD, Printausgabe, 27. 10.2003)

Von
Ljubisa Tosic
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    Der viel- beschäftigte Musik- manager Hans Landesmann, der die Szene recht gut kennt: "Da werden aus den größten Feinden in einer Woche die besten Freunde."

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