Tschechien: Wirtschaft noch stärker gewachsen

28. Oktober 2003, 19:09
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Prag revidierte statistische BIP-Zahlen für 2000 bis 2002 um fast sieben Prozent nach oben

Prag - Das Wirtschaftswachstum Tschechiens in den Jahren 2000 bis 2002 war um insgesamt fast sieben Prozent stärker als bisher offiziell ausgewiesen wurde. Zu diesem Schluss kam das Tschechische Statistische Amt (CSU) nach einer neuen Berechnung der Konjunktur, wobei nicht mehr die bisherige heimische Methode, sondern die Methode der EU verwendet wurde. Die neuen offiziellen statistischen Zahlen bedeuten, dass Tschechien daran - zumindest auf dem Papier - besser ist als bisher angenommen, berichteten tschechische Zeitungen am Wochenende.

64 Prozent des EU-Durchschnitts

Nach den neuen Zahlen liegt das Wirtschaftsniveau Tschechiens bei 64 Prozent des EU-Durchschnitts, während es bisher - gemessen nach der alten Methode - 60 Prozent waren. Indem die Konjunktur von 2000 bis 2002 um 6,9 Prozent stärker war, verbesserte sich auch das Verhältnis der Verschuldung der öffentlichen Finanzen des Landes zum BIP. Im Jahr 2002 wurde dieses Defizit mit 6,7 Prozent des BIP ausgewiesen, während nach der neuen Berechnung dieselbe Angabe nur 6,3 Prozent macht.

Euro-Diskussion

Diese statistische Angabe wird nun in Tschechien mit stärkerer Aufmerksamkeit verfolgt, weil die Prager Regierung kürzlich den Beitritt des Landes zum Euro für das Jahr 2010 in Aussicht gestellt hat. Dafür muss jedoch das genannte Defizit nach Maastricht-Kritierien unter drei Prozent fallen.

Wert der Straßen mitgerechnet

Die Revision der BIP-Zahlen ist darauf zurückzuführen, dass man nun in die Berechnung beispielsweise auch den Wert der Straßen, Autobahnen, Brücken sowie Tunnels einbezogen hat. Dasselbe betrifft die hypothetischen Mieten, die die Besitzer eigener Wohnungen und Häuser im Fall deren Vermietung erzielen könnten. Ab dem Jahr 2005 sollten sogar die Produktion und Verteilung von Drogen oder der Import und Export geschmuggelter Waren in der BIP-Berechnung berücksichtigt werden, teilte der zuständige Abteilungsleiter im CSU, Jan Heller, mit.

Möglicherweise höhere Abgaben für EU-Budget

Nach tschechischen Experten könnten die revidierten Zahlen Einfluss auf die Abgaben Tschechiens zum EU-Budget haben. Um wieviel sich diese Zahlungen erhöhen könnten, könne man jedoch in diesem Moment nicht sagen, reagierte der Sprecher des Prager Finanzministeriums. (APA)

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