Deutsche Lkw-Maut: Toll Collect entgehen 600 Millionen Euro

30. Oktober 2003, 15:35
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Wegen technischer Pannen und Verzögerungen - Bund erstattet Betriebs- und Investitionskosten

Frankfurt - Das von DaimlerChrysler und Deutscher Telekom angeführte Betreiber-Konsortium für die deutsche Lkw-Maut wird nach Telekom-Angaben im laufenden Jahr wohl keine Vergütung und keine Erstattung der Betriebskosten erhalten.

Ein Telekom-Sprecher sagte am Montag in Bonn, "Geld fließt vom Bund erst dann an das Konsortium, wenn die Maut startet. Start ist dann, wenn die Freigabe von der Bundesanstalt für Güterverkehr kommt."

Verzögerung bis nächstes Jahr

Wegen anhaltender technischer Pannen wird mit einer Verzögerung der Maut-Erhebung auf deutschen Autobahnen für schwere Lkw bis ins kommende Jahr gerechnet. Ursprünglich sollte die Maut bereits Ende August starten. Eine Betriebsgenehmigung liegt aber noch nicht vor.

Das deutsche Verkehrsministerium hatte am Wochenende einen Zeitungsbericht bestätigt, wonach das Maut-Konsortium im laufenden Jahr wegen der technischen Pannen auf Einnahmen in Höhe von rund 600 Millionen Euro verzichten müsse. Der Telekom-Sprecher wollte sich nicht zu der Höhe des zu erwartenden Ausfalls für das Konsortium äußern. Bei DaimlerChrysler war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Früheren Telekom-Angaben zufolge ist vertraglich vorgesehen, dass der Bund dem Konsortium die jährlichen Betriebs- und Investitionskosten der Lkw-Maut in Höhe von mehr als 600 Millionen Euro erstattet. Die Investitions- und Betriebskosten würden von der DaimlerChrysler-Finanztochter Capital Services zusammen mit einem Bankenkonsortium unter Führung der HVB (HypoVereinsbank) zwischenfinanziert. Das Konsortium erhält den Angaben zufolge für den Betrieb des auf Mobilfunk- und Satellitentechnik basierenden Systems vom Bund eine jährliche Vergütung in zwei- bis dreistelliger Millionenhöhe.

Vertrag für zwölf Jahre

Neben DaimlerChrysler und Telekom gehört noch der französische Autobahnbetreiber Cofiroute zum Maut-Konsortium. Die drei Unternehmen übernehmen für den Bund für zwölf Jahre die Erfassung und Abrechnung der Benutzungsgebühr in Höhe von 12,4 Cents pro Autobahn-Kilometer für schwere Lkw. Nach DaimlerChrysler-Angaben hat das Konsortium die Fertigstellung und die erfolgreiche Inbetriebnahme der Maut bis 31. August 2004 vertraglich garantiert.

An der Börse lagen die Aktien der Konsortialmitglieder im Trend des freundlichen Gesamtmarktes. (APA/Reuters)

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