Eine Geschichte der Ehe

27. Oktober 2003, 21:56
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Eheliche Strukturen, Pflichten und Freiheiten: Skizzen aus dem antiken Rom

Im 1. Jahrhundert v. Chr. zählte die Ehe nicht als bürgerliche Pflicht, der Mann, der eigentliche Akteur, hatte sich in erster Linie als Staatsbürger zu verstehen, der griechischer Schule folgend für die polis arbeitete. Ehe als Privatsache, zwanglos, mündlich, ohne Priester oder StandesbeamtInnen - diese bürgerlichen Regelungen galten für freie BürgerInnen im römischen Italien, ab dem 3. Jahrhundert n. Chr. auch für SklavInnen. Es wurde allein der Mitgift wegen geheiratet, deren sich die RömerInnen schriftlich bei der Trauung versicherten. Auch die Scheidung ging ohne großartiges Prozedere vonstatten: gemeinsame Wohnstätte verlassen, Mitgift mitnehmen, basta.

Ehefrauen

Die römischen Frauen hatten in der gesellschaftlichen Ordnung ihren Platz, den ihnen ihre Herrn und Meister, sprich Väter und Ehemänner zustanden. Nach Ansicht derer waren Frauen ewige Kinder, nicht zu gebrauchen außerhalb des Heimes. In den römischen Hausgemeinschaften waren sie zu nichts angehalten als zum bloßen Dasein und Kinder gebären, denn für die häusliche Arbeit waren die vielen SklavInnen da. Was sie aber sehrwohl hatten: Erbrecht und Verfügungsgewalt über ihre Mitgift, wodurch sie nicht gänzlich machtlos waren.

Neue Moral

Ein Jahrhundert später haben sich die RömerInnen einer "neuen" Moral angepasst: nun ist der Mann verpflichtet, zu heiraten und seiner Gattin öffentlich Respekt zu zollen. Heiraten wird zur Bürgerpflicht, für den Mann ein oft nicht angenehmes Muss des Bevölkerungswachstums wegen, denn damit schrieb sich auch die Monogamie, aus moralischen Ideen der Stoa und des Christentums gespeist, in die Strukturen ein. Vorallem die späte Stoa, die zunächst Homosexualität zwischen Mann und Jungen als Urform der Liebe lehrte, predigte nun die Verbundenheit und Einigkeit von Mann und Frau, die in der Ehe als Freundschaftsbund vollendet würde. Die Frau erfuhr eine Aufwertung - sie stieg von der Sklavin zur Gefährtin auf. Nur birgt ein derartiger Bund auch Pflichten mit sich, die für die Frau ganz klar auf eine subsummiert werden konnte: dem Mann zu gehorchen. So brachte die "neue" Moral keine wirkliche Veränderung, außer der strengeren Verpflichtung zur monogamen Ehe, wie wir sie heute noch gut kennen.

Sex

Die "neue" Moral führte auch zur Verdinglichung der Sexualität: So war es der BürgerInnen Pflicht, sich zu vermehren, und ausschließlich zu diesem Zweck sollten sie in der Ehe sexuell verkehren. Was den Römern nicht allzuschwer fiel, weil Monogamie nicht hieß, auf Konkubinen zu verzichten. Weil diese Praxis so beliebt war, installierte man eine anerkannte Form des Zusammenlebens, eheähnlich, aber nicht rechtmäßig: das Konkubinat. Auch die SklavInnen dienten ihrem Herrn oft auch als Lust-, wobei die Beziehungen zu den "Lustknaben" wohlwollend akzeptiert wurden, aber nur bis zum Beginn deren Pubertät. Danach wurden die Beziehungen als anrüchig abgetan.

Vor und nach dem moralischen Wandel war den Römern die Idee der "Reinheit", sprich Jungfräulichkeit der Frau, fremd. So waren reiche Witwen als Bräute oder Geliebte sehr begehrt. Diese waren für ihre Liebschaften oft bekannt und geschätzt, wogegen ein junges Mädchen dazu angehalten war, ihre zu verheimlichen. Im Christentum war die Unangetastetheit der Frau vor der Ehe bald einmal Prämisse für die Heirat. Auch den Witwen verbat man, sich je wieder zu verheiraten. (red)

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    Ehe im antiken Rom durch moralischen Wandel geprägt
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