Wolfowitz - "Falke" mit Superhirn

28. Oktober 2003, 18:31
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Treibende Kraft hinter Irak-Krieg - Analytiker entwickelte bereits früh Strategien für Feldzug

Washington - Paul Wolfowitz gilt als treibende Kraft hinter den Kriegsplänen der USA gegen den Irak. Viele halten den 59 Jahre alten stellvertretenden US-Verteidigungsminister für das absolute "Supergehirn" der Regierung, einen überragenden, hochintelligenten strategischen Denker. Dabei zeigt er sich als ruhiger, nachdenklicher Analytiker und begründet seine Positionen bei aller Härte stets mit geradezu sanfter Stimme. Wolfowitz ist als Pentagon-"Falke" bekannt. Im Fall Irak brachte er eine Militäraktion ins Spiel, als Präsident George W. Bush selbst noch nicht daran dachte, heißt es in den USA.

Afghanistan alleine zu wenig

Manches ist inzwischen offiziell bestätigt, manches bleibt Gerücht und Klatsch. Aber so soll es gewesen sein: Am 15. September 2001, also vier Tage nach den Terroranschlägen in den USA, trommelte Bush in Camp David seine Top-Sicherheitsberater zusammen und erläuterte ihnen seinen Plan für seinen Anti-Terror-Krieg in Afghanistan. Wolfowitz zeigte sich unzufrieden und wies darauf hin, dass ein alleiniger Einsatz in Afghanistan "zu kurzsichtig" sei. Die weitaus größte Bedrohung gehe von Saddam Hussein aus, der nicht nur selbst Massenvernichtungswaffen besitze, sondern auch bereit sei, diese an Terroristen zu verkaufen. Sein Rat: ein Militärschlag gegen den Irak.

Vorstellungen vorangetrieben

Wie es heißt, war Bush zu diesem Zeitpunkt "noch nicht so weit", gab Wolfowitz aber den dezenten Hinweis, er solle seine Vorstellungen "vorantreiben". Genau das hat "Wolfie" konsequent getan, beharrlich für seine Position geworben und schließlich gewonnen. Heute, so sagen politische Beobachter, spiegelt sich ein Großteil der Rhetorik und der Ideen des Vizeministers in der Position des Weißen Hauses wider.

Mathematiker mit Interesse für Außenpolitik

Paul Wolfowitz ist Sohn eines polnischen Juden, der 1920 in die USA auswanderte. Er verschrieb sich zunächst wie sein Vater der Mathematik. Ein Professor entdeckte sein ausgeprägtes Interesse für die Außenpolitik, und der junge Wolfowitz wechselte in die Politikwissenschaft. Er erwarb einen Doktortitel und wurde von einem militärstrategisch orientierten Mentor zu einem Wechsel bewogen. Nach dreijähriger Lehrtätigkeit an der Yale-Universität siedelte Wolfowitz in die Behörde für Rüstungskontrolle um. Danach folgten zunehmend bedeutende Posten im Außenministerium, im Pentagon und im Ausland. Immer, so schildern Insider, sei Wolfowitz von einem Gedanken beseelt gewesen: durch "vorsorgliche" Aktionen größere Schäden zu verhindern. (APA)

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    Der stellvertretende US-Verteidigungs-minister Paul Wolfowitz gilt als einer der treibenden Kräfte des Irak-Krieges.

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