"Tanja Grotter" erstmals übersetzt

25. Oktober 2003, 22:56
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Russische Harry-Potter-Parodie steht unter Plagiatsverdacht

Brüssel - Die erste Übersetzung der umstrittenen "Harry- Potter"-Parodie "Tanja Grotter und der magische Kontrabass" ist am Samstag in den belgischen Buchhandel gekommen. Damit hat der Verlag Roularta Books es nach Medienangaben als erster Herausgeber in Europa gewagt, das unter Plagiatsverdacht stehende Werk auf den Markt zu bringen.

Die Auflage ist auf 1.000 nummerierte Exemplare beschränkt. Damit will der Verlag nach Darstellung der Zeitung "De Standaard" deutlich machen, dass es ihm nicht um den Gewinn geht. Das Buch solle vielmehr klären helfen, ob der russische Autor Dmitri Jemets bei der Britin Joanne K. Rowlings abgeschrieben hat.

Literarische Parodie

Roularta Books argumentiert, dass Jemets' "Tanja Grotter" die erfolgreiche Potter-Serie der britischen Autorin nicht plagiiert, sondern als "literarische Parodie mit einem polemischen Einschlag" anzusehen ist. Dem Verlag zufolge steht in der Sache mehr auf dem Spiel als die Interessen des Time-Warner-Medienkonzerns, der die Lizenzrechte an "Harry Potter" besitzt und die Filme nach der Geschichte produziert. Die Belgier wollen die Diskussion über das Verhältnis von Kommerz und Kultur anfachen. "Der kulturelle Wert dieses Werks ist authentisch und kann nicht kommerziellen Interessen unterworfen werden", sagte Roularta-Manager Piet Bulteel der Zeitung.

In den Niederlanden war der Verkauf des Buchs den Angaben zufolge Anfang des Jahres verboten worden, weil es dem ersten "Harry-Potter"- Buch zu sehr ähnelte. Zahlreiche europäische Verlage hätten aber Übersetzungsrechte an "Tanja Grotter" erworben und schauten mit Interesse auf den weiteren Verlauf des Rechtsstreits in den Niederlanden. In Belgien hielt der Preis von 25 Euro am Samstag viele Neugierige vom Kauf ab, sagte eine Buchhändlerin in Brüssel. (APA/dpa)

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    Das Cover der russischen Ausgabe von "Tanja Grotter"

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