Nordkorea will Sicherheitsangebot der USA prüfen

26. Oktober 2003, 20:01
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Rückkehr zu Sechser-Verhandlungen aber "verfrüht"

Seoul - Im Streit um sein Atomprogramm will Nordkorea jetzt doch unter bestimmten Bedingungen die von US-Präsident George W. Bush angebotenen Sicherheitsgarantien für das Land prüfen. Nordkorea wolle Bushs Angebot "schriftlicher Sicherheitszusagen über einen Nicht-Angriff" in Erwägung ziehen, hieß es am Samstag in einer Erklärung des Außenministeriums in Pjöngjang. Dies allerdings unter der Voraussetzung, dass die USA damit auch die Koexistenz mit der Volksrepublik beabsichtigten und auf den Vorschlag einer "Paketlösung" eingingen. Zugleich machte Pjöngjang jedoch klar, dass es "verfrüht" sei, über eine Rückkehr Nordkoreas zu den Sechser-Verhandlungen über den Atomkonflikt zu sprechen.

Beide Seiten sollten "ihre Waffen niederlegen und ein normales Verhältnis der beiden Staaten zur friedlichen Koexistenz aufbauen", wurde der Sprecher von der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA zitiert. Er sagte weiter, das Angebot von US-Präsident George Bush könne nur angenommen werden, wenn die USA die Existenz Nordkoreas anerkennen und "gleichzeitige Schritte" unternehmen würden - Nordkorea fordert von den USA seit langem wirtschaftliche und humanitäre Hilfen.

Schriftliche Garantie

Bush hatte Anfang dieser Woche in Bangkok vorgeschlagen, die USA und vier weitere Nachbarländer Nordkoreas könnten schriftlich garantieren, das Land nicht anzugreifen, wenn es im Gegenzug sein Atomprogramm einstelle. Einen formellen Nichtangriffspakt lehnt Bush jedoch ab. Die nordkoreanische Erklärung ist eine Abkehr von der bisher ablehnenden Haltung das kommunistischen Landes auf Bushs Vorschläge. Über seine Medien hatte Nordkorea das Angebot der USA zunächst als "lächerlich" bezeichnet.

Nordkorea habe Washington über seine neue Absichten über Kontakte in New York bereits informiert, sagte der ungenannte Ministeriumssprecher in Pjöngjang. Das asiatische Land fordert von den USA als Gegenleistung für den Verzicht auf sein Atomprogramm und die Zulassung internationaler Inspektoren unter anderem einen Nicht-Angriffspakt, Wirtschaftshilfe und Schritte zu Normalisierung der Beziehungen. Südkorea begrüßte die Überlegung als Schritt zu weiteren Verhandlungen, wie die Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf einen Regierungssprecher berichtete.

Nordkorea hat nach Angaben der japanischen Regierung unterdessen möglicherweise die dritte Kurzstreckenrakete innerhalb einer Woche getestet. Eine Sprecherin des japanischen Außenministeriums sprach von einem unbestätigten Bericht, wonach die Boden-Schiff-Rakete von der Ostküste ins Japanische Meer abgeschossen worden sei. Bereits am Montag und Dienstag hatte Japan Vermutungen über je einen Raketentest geäußert. Nordkorea soll Raketen mit einer Reichweite bis in die Vereinigten Staaten entwickeln.

Einem Bericht des japanischen Fernsehsenders NHK zufolge plant US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld Mitte November eine Reise nach Japan. Im Mittelpunkt der Gespräche mit ranghohen Regierungsvertretern soll demnach der Streit um das nordkoreanische Atomprogramm stehen. Der dreitägige Aufenthalt wäre der erste offizielle Besuch Rumsfelds seit seiner Ernennung als Verteidigungsminister im Jänner 2001.

Die Erklärung aus Pjöngjang kam vor einem geplanten Besuch einer hochrangige chinesischen Delegation in Pjöngjang. China bemüht sich derzeit neben den USA und Südkorea um eine neue Sechser-Runde. Die ersten Sechser-Gespräche unter Beteiligung der beiden Koreas, der USA, Chinas, Japans und Russlands war Ende August in Peking ohne Ergebnis geblieben. (APA/dpa/AP)

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