Berlusconi droht mit Rückzug aus der Politik

26. Oktober 2003, 14:52
18 Postings

Italiens Premier: "Ich habe ein Familie, eine Yacht und kann mein Leben an schönen Orten verbringen"

Silvio Berlusconi reicht es allmählich. Im Ministerrat drohte der italienische Regierungschef erstmals damit, sich aus der Politik zurückuzuziehen, wenn der Dauerstreit in der Koalition nicht beendet werde. Seine Geduld sei am Ende. "Wenn jemand unbedingt streiten will, soll er das hinter verschlossenen Türen tun", sagte Berlusconi. Die täglichen Auseinandersetzungen in der Öffenlichkeit hätten dazu geführt, daß das Linksbündnis in Umfragen mit 49 Prozent jetzt knapp vor der Regierungskoalition liege. "Unsere Wähler akzeptieren das ständige Gezänk nicht mehr", klagte der Premier. "Ich habe ein Familie, eine Yacht und kann mein Leben an schönen Orten verbringen. Ich bin nicht aus Machhunger hier", erklärte der Regierungschef der schweigenden Ministerrunde. Er könne jederzeit zu seinem Unternehmerberuf zurückkehren. "Es ist uns gelungen, sogar die permanenten Auseinandersetzungen in der Opposition in den Schatten zu stellen", ließ Berlusconi seinem Ärger freien Lauf. Es sei inakzeptabel, daß Regierungsparteien im Parlament sogar Verfassungsgesetze einreichten, ohne die Koalitionspartner davon in Kenntnis zu setzen.

Am Mittwoch hatte die Regierung zwei Abstimmungen im Parlament verloren, weil Heckenschützen aus der eigenen Koalition mit der Opposition stimmten. Eine Beruhigung der Lage ist trotz Berlusconis Standpauke nicht abzusehen. Vizepremier Gianfranco Fini von der Nationale Allianz und der christdemokratische Parteichef Marco Follini beharren weiter auf einer Regierungsumbildung unmittelbar nach Ablauf der italienischen EU-Präsidentschaft. Beide Parteien fordern eine Entmachtung von Wirtschaftsminisfter Giulio Tremonti. Die Lega Nord dagegen droht bei Zustimmung Roms zum europäischen Haftbefehl mit sofortigem Austritt aus der Regierungskoalition.

Von Gerhard Mumelter aus Rom
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der italienische Premier klagt: "Unsere Wähler akzeptieren das ständige Gezänk nicht mehr."

Share if you care.