Kriminalität deutlich gestiegen

26. Oktober 2003, 19:09
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ORF: 60.000 Delikte mehr als im Vorjahr - Kritik der Opposition - Bundeskriminalamt: "Rohdaten ohne Aussagekraft"

Wien - Heftige politische Reaktionen hat am Wochenende ein ORF-Bericht ausgelöst, wonach in Österreich die Kriminalität deutlich angestiegen ist. Einer Statistik von Jänner bis Ende September zufolge seien 60.000 Delikte mehr als im Vorjahr registriert worden. 490.000 Straftaten wurden in dieser Zeit insgesamt begangen. Besonders hoch sei die Verbrechensrate in der Bundeshauptstadt.

"Keine Qualitätsinterpretation"

Gerald Hesztera vom Bundeskriminalamt erklärte dazu, bei den Zahlen handle es sich um "Rohdaten ohne Aussagekraft". Die geplante monatliche Kriminalstatistik sei derzeit im Probebetrieb und lasse "keine Qualitätsinterpretation" zu. Die Statistiker seien dabei, das System so anzupassen, dass es im Dezember in Betrieb gehen könne.

Häupl fordert erneut zusätzliche Polizisten

Vor allem sozialdemokratische Politiker kritisierten Innenminister Ernst Strasser (V). Wiens Bürgermeister Michael Häupl (S) forderte erneut 1.000 zusätzliche Polizisten für die Bundeshauptstadt. Die Salzburger Landeshauptmann-Stellvertreterin Gabi Burgstaller (S) erklärte, bei 60.000 Straftaten mehr als im Vorjahr müssen auch in der schwarz-blauen Bundesregierung "die Alarmglocken läuten". Der Sicherheitssprecher der NÖ Sozialdemokraten, LAbg. Hermann Findeis, sagte, dies sei "das unmittelbare Ergebnis der 'Kürzungs- und Kahlschlagspolitik'" des Innenministers. Der oberösterreichische SP-Chef Erich Haider kritisierte vor allem die sinkende Aufklärungsquote: "In Oberösterreich hatten wir vor Minister Strasser 60 Prozent, jetzt halten wir bei etwa 50", sagte Haider.

Partik-Pable für Sicherheitsgipfel

FPÖ-Sicherheitssprecherin Partik-Pable sagte, Strasser müsse "baldigst einen Sicherheitsgipfel einberufen, bei dem auch alle Polizeidirektionen und Kriminalbeamte teilnehmen sollten." Sie wiederholte ferner ihre Forderung nach der Wiedereinführung der Visumpflicht für Rumänen.

Strasser: Noch immer eines der sichersten Länder

Strasser betonte seinerseits, dass Österreich noch immer eines der sichersten Länder der Welt sei und auch die neuen Herausforderungen in puncto Sicherheit meistern werde. Wenn man jedoch feststellen sollte, dass die Exekutive mit dem Einsatz der vorhandenen Mittel die Kriminalität nicht eindämmen können, müsse man "darüber nachdenken", diese zu stärken. Gegenüber dem "Kurier" sagte der Minister bereits eine Personalaufstockung zu.

Anzeigen um 13 Prozent gestiegen

Die Zahl der angezeigten Delikte ist laut ORF gegenüber dem Vorjahr um mehr als 13 Prozent gestiegen, und nur jede vierte Straftat werde aufgeklärt. Allerdings würden die Beamten darauf verweisen, dass mit einer annähernd gleich großen Anzahl von Polizisten mit 197.000 um 20.000 Fälle mehr aufgeklärt worden seien als im Vorjahr.

In Wien Anstieg um 28 Prozent

Die meisten Straftaten wurden dem ORF zufolge in Wien begangen. Hier seien die Verbrechen um 28 Prozent gestiegen, aber auch die Aufklärungsquote habe sich leicht erhöht. Fast ein Drittel aller Delikte in Wien konnten geklärt werden. Am schlechtesten schneide bei der Aufklärungsquote Oberösterreich ab, am besten Niederösterreich.

Auch Aufklärungsrate gestiegen

Im Vorjahr wurden nach ORF-Angaben in Wien rund 154.000 Delikte begangen, heuer seien es mehr als 197.000. Drogenrazzien, Grenzkontrollen und die Zusammenarbeit mit den östlichen Nachbarstaaten würden aber offenbar Wirkung zeigen: Es wurden um ein Drittel mehr Straftaten aufgeklärt als im Vorjahr. Die Aufklärungsquote ist damit leicht gestiegen. Anders Oberösterreich: Dort ist die Aufklärungsquote am stärksten gesunken. Die geringste Steigerung an Straftaten gegenüber dem Vorjahr gibt es in Kärnten. (APA)

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    montage: derstandard.at
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