Empörung in Paris: "Islamfeindlicher" Leitartikler

31. Oktober 2003, 14:29
28 Postings

Selbstdefinition des politischen Journalisten und Magazingründer Imbert - Empörung von Menschenrechtsorganisation und Moslem-Verband

Paris - Der bekannte französische Journalist Claude Imbert, Gründer und Leitartikler des politischen Wochenmagazins "Le Point", hat sich selbst in einem TV-Interview für den Nachrichtensender LCI als "islamfeindlich" bezeichnet, da diese Religion "einen Schwachsinn verschiedener Archaismen" mit sich führe. Die Menschenrechtsorganisation MRAP und die islamische Organisation CDM ("Conseil des democrates musulmans de France") haben diese Äußerungen heftig kritisiert und ihrer "Empörung" Ausdruck verliehen.

"Der Islam führt als Religion einen Schwachsinn verschiedener Archaismen mit sich"

"Man muss ehrlich sein. Ich bin ein bisschen islamfeindlich. Es stört mich nicht, dies zu sagen", erklärte Claude Imbert am Freitagabend in einer Sendung über das Tragen des islamischen Kopftuchs in den Schulen und öffentlichen Ämtern. "Wir haben das Recht, den Rassismus zu bekämpfen und die friedliche Ausübung des Islam zu akzeptieren. Und ich habe das Recht (") zu denken, dass der Islam " ich sage sehr wohl der Islam und nicht die Islamisten " als Religion einen Schwachsinn verschiedener Archaismen mit sich führt, eine Art der systematischen Abwertung der Frau", betonte der Journalist.

Imbert wirft den Moslems überdies den Versuch vor, "das Gesetz der Staaten durch das Gesetz des Koran zu ersetzen". Indem er sich selbst als Agnostiker bezeichnete, fügte Imbert hinzu, dass ihn die christliche Religion weniger störe, "weil sie nicht diese Ambition hat". "Es gibt keinen Grund sich unter dem Vorwand der Toleranz so weit zu erniedrigen, dass man seine tiefen Überzeugungen verleugnet", fügte der Journalist hinzu.

Die MRAP bezeichnete diese Äußerungen als "verletzend und extrem gefährlich". "Sie sind umso inakzeptabler, als sie zu einer beunruhigenden und unerträglichen Verniedlichung der Islamphobie beitragen, hinter der sich der Hass auf die arabisch-moslemischen Bevölkerungen verbirgt", betonte die Menschenrechtsorganisation in einer Aussendung.

Polemik um Houellebecq 2001

Vor zwei Jahren hatte bereits der französische Erfolgsautor Michel Houellebecq für eine ähnliche Polemik in Frankreich geführt, als er in seinem Roman "Plattform" geschrieben hatte: "Ich freue mich immer, wenn ich erfahre, dass ein palästinensischer Terrorist, oder ein Kind oder eine schwangere Palästinenserin in Gaza getötet wurden." Den Islam bezeichnete er als die "bescheuertste" aller Religionen. Vor einem Jahr wurde der Autor in Paris von der Anschuldigung der Anstiftung zum Rassismus und Religionshass gerichtlich freigesprochen.

Eine moslemische Gruppe erstattete Anfang September auch gegen das Buch "Die Wut und der Stolz" der italienischen Starjournalistin Oriana Fallaci Anzeige. In dem nach den Terroranschlägen von 11. September 2001 in den USA geschriebenen Bestseller bezeichnet Fallaci die "Kinder von Allah" als "Ratten", die ihre Zeit "mit dem Hintern in der Luft, fünf Mal am Tag betend" verbrächten. Ein erstes Strafverfahren gegen die 74-Jährige wurde in Frankreich bereits im November 2002 wegen eines Formfehlers eingestellt. (APA)

Share if you care.