"Temporäres Mahnmal" für Opfer

29. Oktober 2003, 19:28
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Kärnten beschäftigt sich mit seiner NS-Vergangenheit

Klagenfurt - Der Oktober ist in Kärnten traditionell ein Monat der mehr oder weniger ehrlichen Vergangenheitsbewältigung. Anders als bei Kriegerdenkmälern und Soldatenopfern wurde die Erinnerung an die Widerstandskämpfer oder Verfolgten des NS-Regimes bisher nur sehr zögerlich gepflogen.

Das soll nun anders werden, hofft zumindest die Plattform "Memorial Kärnten - Koroska". Am Nationalfeiertag enthüllt sie am Klagenfurter Friedhof Annabichl ein "temporäres Mahnmal" mit 1000 Namen von Kärntner Opfern und Widerstandskämpfern. "Das ist ein wichtiger Schritt, um eine seriöse Brücke in die Kärntner Zeitgeschichte zu schlagen", erläutert Plattform-Initiator Vinzenz Jobst. Der Klagenfurter Historiker Helge Stromberger hat die Namen in mühseliger Kleinarbeit erforscht und die Todesumstände dokumentiert. Insgesamt soll es etwa 3000 Opfer geben.

Gemeinsame Schau

In Villach beschäftigt sich eine Ausstellung unter dem Titel "Hakenkreuz und Titostern" mit den Gräueln der Diktatur auf beiden Seiten. Sie wurde im Rahmen eines EU-Projekts von Österreich und Slowenien gemeinsam gestaltet. Der Ausstellungsleiter des Kärnten-Teils Alfred Elste bedauert, dass das "offizielle" Kärnten durch Ignoranz - auch finanzieller Natur - glänzte.

Landesunterstützung gab es hingegen für eine vom FP-Ideologen Andreas Mölzer gestaltete Partisanen-Dokumentation. Der auch vom Kärntner Heimatdienst unterstützte Film "Titos mörderische Macht" zeige auf, "ohne anzuklagen", meinte Landeshauptmann Jörg Haider bei der Präsentation im Klagenfurter Konzerthaus. (stein/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25./26. 10. 2003)

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